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Die 1. Epistel von Jacob Hutter an die Gemein Gottes in Mähren

Mit einem Wunsch zeigt er ihnen die bewiesene Gnade Gottes, in Christo geschehen, und die Feindschaft der Welt gegen sie an.  Rühmet auch hiermit ihren Wohlstand, seinen Fleiß, Müh' und Arbeit mit Danksagung Gottes, meldet sein Trauer in seinem Abschied von ihnen, und wie ihm der Herr den Weg glücklich gefertigt, wie viel es zu schaffen und wenige gab, die ihm halfen.  Er befiehlt ihnen, mit Rat zu handeln, zeigt an die Hinderung der Botschaft, sein Verlangen nach ihnen und wie er sie nicht vergessen kann, desgleichen auch sein Trauern um der Zerstreuung halber und sein Verschulden darin mit viel schöner Lehr' und tröstlicher Mahnung, dem Herrn treu zu sein; bittet, seiner auch im Gebet zu gedenken, rühmet die Redlichkeit der Schwester Nändl, entbeut ihnen hiermit den Gruß. Amen.

Jacob, ein unwürdiger Diener Gottes, ein Apostel unsers Herrn Jesu Christi und seiner heiligen Gemein, welches ist seine liebe Braut, die er gereinigt und gewaschen hat durch sein eigenes Blut.  Ich wünsch' von ganzem Abgrund meines Herzens Gottes Fried' und ewige Barmherzigkeit den auserwählten Heiligen, meinen allerliebsten Brüdern und Schwestern in dem Herrn, und noch den heiligen Glauben meinen gewünschten gehorsamen und herzlieben Kindlein, wo sie sind in dem ganzen Mährenland hin und wieder verjagt und zerstreut, in Trübsal, Elend und Armut und in mancherlei Leiden und Versuchung um des Herrn willen.  Gott der Vater vom Himmelreich, der Vater aller Gnad' und Barmherzigkeit, der Gott alles Trostes, der tröst' und stärke euch, er schaffe euch Hilf' und Beistand in allen Dingen, und steh' euch bei in allen Trübsalen und Nöten durch unsern Herrn Jesum Christum.  Amen.

Ihr auserwählten Kindlein und heiligen Frommen des lebendigen Gottes, meine herzallerliebsten Mitglieder an dem Leib Jesu Christi, wie gar große und mächtige Dinge hat Gott getan, ja, unaussprechliche Gnad' und Barmherzigkeit, darum wir Gott nimmermehr genug mögen Dank sagen, der uns erlöst und erledigt hat durch sein Kind Jesum Christum von dem ewigen Tod und hat uns geschenkt das ewige Leben.

O ihr meine herzallerliebsten Kindelein. wie gar überaus herzlich lieb hat euch Gott der Vater vom Himmelreich, darum daß ihr ihn auch liebet und seine Gebote haltet, euch seines heiligen Willens fleißet und getreten seid in die Fußstapfen Christi, und ihm gehorsam seid, lebt und wandelt nach seiner Regel und Angebung.  Ja, die Scharen der himmlischen Kreaturen freuen sich euer und sagen Gott Lob, Ehr' und Preis ohne Unterlaß allezeit für euch, darum, daß Gott ein solches Wohlgefallen an euch hat und solche große und unaussprechliche Liebe zu euch trägt, die er euch denn erzeigt und bewiesen hat, durch die gnadenreiche Zukunft und durch den teuern Tod seines allerliebsten Sohnes Jesu Christi, denn durch ihn seid ihr Gott lieb und angenehm worden.  Und seid nun seine auserwählten lieben Kindlein und Zeugen seiner ewigen und göttlichen Wahrheit, und Miterben seiner großen mächtigen Herrlichkeit, und Mitgenossen seiner göttlichen Natur, und eure Bürgerschaft ist im Himmel, und eure Gesellschaft ist bei Gott und mit allen himmlischen Heerscharen in dem himmlischen und ewigen zukünftigen Jerusalem.

Und Gott ist euer gnädiger Vater und allerbester Freund geworden . . . O sein allerheiligster und großmächtiger Name sei hoch gelobt und geehrt, gebenedeiet und gepreist, im Himmel hoch dort oben, in dem Thron seiner Herrlichkeit, und ihm sei von ganzem Abgrund meines Herzens Lob, Ehr' und Dank gesagt für euch und uns und alle Heiligen, und um seine manigfaltige, große und unergründliche Gnad' und Barmherzigkeit, die er uns allen erzeigt und bewiesen hat, und noch für und für.  Ja, er sei gepreist (gepriesen) und sei abermals Dank gesagt durch unsern Herrn Jesum Christum.  Immer und ewiglich.  Amen.

Darum aber, daß ihr die Welt habt verlassen und seid Nachfolger Christi und Liebhaber Gottes worden, darum liebt euch Gott, und darum, daß euch Gott liebet, haßet euch die Welt und alle gottlosen Menschen, verfolgen und schmähen euch.  Des freuet euch, denn sie haben allen Propheten, auch den Herrn selber, von Anfang der Welt also getan.  Es ist ein gutes und rechtes Zeichen und Signal der wahren Huldschaft Gottes.  Amen.

Ihr meine herzallerliebsten Brüder und Schwestern im Herrn, ihr wißt wohl, wie ich dem Herrn und euch gedienet habe, aus seiner Gnade und Barmherzigkeit in meiner Schwachheit; eine Zeitlang heroben in diesem Land und auch unten im Mährenland bei euch, treulich ohne allen Falsch und Betrug, aus göttlicher, heiliger, brüderlicher und ungefälschter Liebe Tag und Nacht mit viel Schmerzen und Herzeleid.  Ja, in viel und mancherlei Trübsal, die mir begegnet und zu Händen gestoßen in allen Dingen.  Ja, wie ein frommer und getreuer Vater seinen Kindlein tut, die er von ganzem Herzen in der Wahrheit überaus lieb hat.  Also hab' ich euch auch getan.  Ich mag mich des wohl rühmen.  Ich hoff' und trau' auch zu Gott meinem Vater, ich will mit meinem Rühmen nimmermehr zu Schanden werden, denn ich rühme mich nicht über das Ziel, auch nicht anders, denn allein des Herrn, der in mir wohnet und mir Beistand tut in aller meiner Trübsal, die ich denn will haben.  Darin will ich mich rühmen.  Amen.

Nun aber wißt ihr, meine Herzallerliebsten, wie es Gott geschickt und wie es sich ergeben hat, nämlich, daß man mich und euch schwerlich und ohne alle Barmherzigkeit verfolgt hat um des Herrn willen.  Indem habt ihr mich auch abgefertigt, mich von euch geschickt und mich ziehen lassen, ja, mit großem und ernstlichem Gebet und Schreien zu dem Herrn, und in Summa, ganz würdiglich vor Gott als euren gar herzlieben Bruder in dem Herrn, als euren Diener und Hirten, der euch aus seiner göttlichen Gnad' und Barmherzigkeit geschenkt und geben ist, dessen ich mich ganz unwürdig schätz', nämlich solcher Zucht und Ehr' und solcher großer herzlicher, göttlicher und brüderlicher Lieb', die ihr mir erzeigt und bewiesen habt in allen Dingen.  O, Gott vom Himmelreich wolle euch Gutes tun für diese Liebe und Treu, die ihr mir getan habt, und auch an allen Heiligen.  Gott wolle euch bezahlen in seinem Reich durch Jesum Christum, hier und dort in Ewigkeit.  Amen.

Ja, ihr Allerliebsten in dem Herrn, ich kann und mag meinem Gott nimmermehr genug Dank sagen um die große Liebe, die er euch hat mitgeteilt.  Und um die große Lieb' und Treu, die er und ihr durch ihn mir habt mitgeteilt.  O ihr herzallerliebsten Brüder und Schwestern, ihr meine auserwählten Kindlein, ich kann und mag ihm nicht genug Dank sagen, ich mag's auch nicht genugsam betrachten oder aussprechen, aber Gott der Herr sei in diesem allem hochgelobt und gepriesen und ihm sei von ganzem Herzen Lob, Ehr' und Preis gesagt, durch Jesum Christum, immer und ewiglich.

Nun aber, ihr herzlieben Geschwister, bin ich von euch gezogen nach eurem Willen und Begehren, nach eurem Rat und Beschluß, den ihr getan habt in dem Herrn.  Aus welcher Ursach' das geschehen ist, das wisset ihr wohl; mit großen Schmerzen und Herzeleid, aber nach dem Willen des lebendigen Gottes im Himmel.  Ja, mit viel Tränen, Weinen und Trauern und mit manchen großen Schmerzen, welche Schmerzen noch alleweg bis auf diese Stund' in meinem Herzen sind, der Herr tröst' mich denn noch anders, das wird er auch tun.  Ich weiß es wohl, er gebe mir und uns allen nur Geduld und Langmütigkeit, daß wir seines Trostes und Verheißung erharren mögen; wiewohl mich der Herr auch darneben getröstet hat, auf daß ich nicht in zu große Traurigkeit und Schmerzen einfiele.  Denn Gott ist treu und wahrhaftig und läßt uns nicht über unser Vermögen versucht werden, sondern macht neben der Versuchung ein Auskommen, daß wir's wohl mögen ertragen, wie der heilige Paulus sagt.  Ja, freilich ist es wohl wahr; ich hab's nun oft erfahren.  Die Erfahrung aber macht weise und verständig in dem Herrn und bringet viel Hoffnung und kindliche Zuversicht zu Gott.  Amen.
Nun, ihr meine herzlieben Brüder und Schwestern, ich will euch zu wissen tun, wie es um uns steht.  Neulich also, da wir von euch gezogen sind, da hat uns Gott der Herr vom Himmelreich unsern Weg ganz glücklich gemacht und abgefertigt bis her in das Pustertal und Etschland.  Da sein wir kommen zu unsern Geschwistern.  Da haben wir uns mit großer Freude und göttlicher Liebe einander gegrüßt und aufgenommen und empfangen, und wir ihnen und sie uns einander erzählt, wie es allenthalben steht.

Nun haben wir treulich und fleißig die Hungrigen und Durstigen nach der Wahrheit gesucht, deren wir denn wohl etliche gefunden haben, die uns mit großen Freuden, mit Dank und begierigen Herzen haben aufgenommen.  Und wir haben ihnen die Wahrheit, Gottes Wort und das heilige Evangelium verkündigt und gepredigt, und etliche haben die Wahrheit angenommen und sich Gott ergeben.  Und der allmächtige Gott und Vater hat schon eine Gemein hier wieder aufgericht't.  Und der Herr mehret sein Volk täglich und tut herzu zu seiner heiligen Gemein, die da selig werden hin und wieder.

Und wir haben fast viel zu arbeiten in dem Herrn, hin und wieder Tag und Nacht.  Und wir durften's wohl an vielen Orten, da wir kaum an einem sein können.  Da wäre wohl von Nöten, daß unserer mehr wären, Diener und andere Brüder, die dazu tauglich wären, und das Werk des Herrn wohl könnten und möchten ausrichten.  Denn die Ernte ist fast sehr reif, aber der Arbeiter sind wenig.  Und der Beschluß, oder Rat, daß ich hab' müssen herauf ziehen, ist vergeblich oder umsonst auch nicht ohne große Ursach'.  Es ist auch nicht aus den Menschen, oder aus dem Fleisch, sondern aus Gott dem Vater vom Himmelreich und allenthalben wohl vonnöten gewesen; daß aber unser mehr vonnöten wären heroben, hab' ich nicht darum geredt oder geschrieben, daß ein jeder nach seinem eignen Willen und Vornehmen soll daherlaufen, ohne Erlaubnis und ohne Wissen der Diener des Herrn und aller seiner Kindlein, denn welcher also kühn in solcher Gestalt käme, den nehmen wir nicht auf.  Es würde sie auch Gott vom Himmel strafen.  Welcher aber kommt in göttlicher Liebe, in Gottesfurcht und Wahrheit, nach dem Rat und Willen Gottes und seiner Gemein, o die wollen wir mit großer Freude und mit Dank aufnehmen, in göttlicher, feuriger, heiliger und brüderlichen Liebe, als den Herrn selber.  Ja, sie sollen uns viel tausendmal in dem Herrn willkommen sein.

Die gottlosen Tyrannen aber und die rechten Feinde der Wahrheit, die Gewalt haben, zu töten, die wissen uns noch nicht hier, als wir meinen.  Gott vom Himmel gebe, daß sie verblendet wären und solches lange nicht inne werden.  Aber solches begehr' ich gar nicht um meinetwillen, daß ich meines Lebens also fürchtete.  Denn ich danke und lobe Gott, er hat die Furcht gar treulich von mir genommen, daß ich hoff' zu meinem Gott, sie werden mir keinen Schaden nimmer tun.  Denn ich achte mein Leben um des Herrn willen nicht teuerer.  Ich habe meinen Leib und mein Leben dem Herrn ganz und gar geschenkt, ergeben und aufgeopfert, und habe mich von ganzem Herzen verwilligt, zu leiden und zu sterben um des Herrn und seiner Wahrheit willen.  Was er mir auflegt und wie es ihm am allerbesten dient zu seinem Lob und Preis und wie es seinen heiligen lieben Kindlein am allernützlichsten und seiner Gemein am aller förderlichsten ist, also begehr' ich zu tun.  Aber darum begehr' ich solches um der Schwachen und Jungen und um der Unerbauten willen, auf daß das Feuer Gottes reichlich in ihnen werde angezündt und das Werk Gottes ausgericht't, auf daß darnach viele und große Platzregen dasselbige Feuer nicht mögen auslöschen.

Darum bitte ich Gott nach seinem väterlichen heiligen Willen, und also sollt ihr auch tun.

Ihr meine herzallerliebsten Mitglieder, so ihr uns anders von Herzen lieb habt, als ich denn weiß und gewiß bin in meinem Herzen — und ich zweifle garnicht, ihr habt uns von Herzen und in der Wahrheit vor Gott lieb —, denn ich kann euch von Herzen wohl, wie ein frommer Vater soll, schreiben.  Ich habe gute Hoffnung, ihr kennet auch mich und ich sei euch wohl offenbar.  Ich weiß aber fast wohl, daß Trübsal und große Verfolgung nicht ausbleiben.  Gott verhindere es oder wende es noch eine zeitlang um seines Namens und um seines Volkes willen.  Denn sie sind fast blutdürstig und grimmig wider die Wahrheit und wider die Frommen.  Es ist aber ein fast sehr Geschrei und viel Sagens im Lande allenthalben von euch unten, wie man uns verfolgt und vertrieben hat.  Einer sagt's dem andern, so wie denn ihre Art ist.

Weiter, ihr meine Herzallerliebsten, weiß ich fast wohl, daß ihr mit großem Verlangen auf eine Botschaft von uns werdet gewartet haben, und es hat sich lange verzogen.  Ja, ich weiß es wohl und hab' es allezeit wohl betrachtet.  Und ich habe euch auch solches zugesagt, daß ich euch das allereiligste. so ich kann.  Botschaft schicken will, so mir Gott solches zuläßt.

Nun, ich habe euer keine Stund' vergessen, das weiß mein Gott im Himmel wohl.  Das ist aber die Ursach': der Bruder Jeronimus kennt die Wege hier nicht, zum Bruder Kränzler haben wir auch lange nicht kommen können, denn er ist zu Sterzing krank gelegen, dazu weiß er auch die Wege im Pustertal nicht all', und etliche Menschen, die nach Gott haben gefragt, die hat er auch nicht gewußt; so haben wir geeilt auf das fleißigste hin und wieder und das nötigste ausgericht't und besucht, damit die andern Brüder auch berichtet wurden und der Weg' und Örter auch wahrnehmen, damit wir etwas möchten ausrichten im Herrn.  Darum ich das Bruder Michl nicht Hab' geraten mögen und noch bedurfte ich sein, aber ich mag ihn aus Liebe, die ich zu euch trag', nicht länger aufhalten, sondern habe ihn eilends abgefertigt im Herrn und zu euch geschickt, auf daß ihr auch von uns getröstet werdet; denn ich bin guter Hoffnung, der Herr wird mir bald durch euch zu Hilf' kommen.

Weiter auch, ihr herzallerliebsten Brüder und Mitglieder, hab' ich auch mit herzigem Verlangen, Sehnen und Seufzen einer Botschaft von euch gewartet, und noch für und für.  Und mein Herz hat keine Ruh noch Rast in meinem Leib, weder Tag noch Nacht, und meine Seel' hat ein herzliches Verlangen nach euch, mit viel großem und manigfaltigem Sehnen und Seufzen, denn ihr seid der lebendige Brief in meinem Herzen, nicht mit Feder oder Tinte geschrieben, sondern durch den Finger Gottes, das ist durch sein Wort und Geist und durch seine heilige, feurige Liebe.  Derselbige Brief, welcher Ihr seid, der wird gelesen ohne Unterlaß, und unaufhörlich alle Stund, für und für.

O, ihr meine herzallerliebsten Kindlein, wie trage ich soviel große Schmerzen und unaufhörliches Herzeleid um euch.  Ich gedenke euer ohne Unterlaß, Tag und Nacht, in Summa, allezeit, mit meinem großen Seufzen und Elend, ja, mit viel heißen und herzigen Tränen, die ich vergieß' um euretwillen.  Nicht, daß ich mich euer schäme, sondern aus großer, herzlicher Lieb', wie ein frommer Vater sich um seine Kinder sorget, die ferne von ihm in großem Elend sind, und er nicht weiß, wie es ihnen geht; ob sie wohl Elend leiden, oder in großer Armut sind.  Also geht es auch mir, das weiß Gott im Himmel, ich lüg' nicht, der Herr ist mein Zeuge, daß ich die Wahrheit rede vor Gott und vor euch von ganzem Herzen.  O, wie gar oft überläuft mir mein Herz und meine Augen.  O, ich muß es Gott vom Himmel klagen, und ich will's auch klagen für und für, bis mich Gott darüber tröstet.  Das große Elend und die großen Schmerzen, die ich an euch erlebet habe, daß ich muß sehen und hören, daß ihr also sollet zerstreuet werden — ach Gott vom Himmelreich, ich kann es dir nicht genug klagen.  Nun wollt ich doch viel lieber anderer große Pein und Marter leiden, die man erdenken möcht', durch des Herrn Hilf', wenn nur ihr beieinander wäret. Ich rede von denen, die von Herzen gern beieinander wären durch Gottes Lieb' und Geist.  Es ist aber nicht allein um die leibliche Zerstreuung oder Voneinandersein, sondern um einen andern und größeren Schaden der Seelen, dem ich an vielen besorgen und fürchten muß.  Gott wolle die Frommen davor behüten.

O, ihr meine herzallerliebsten Kindlein oder Schäflein, Brüder und Schwestern, wo will ich euch wiedersehen und finden?  O, wie gar mit großem Fleiß hab' ich euch versammelt in göttlicher Lieb', mit viel Müh' und Arbeit, mit manchen großen Schmerzen, nun kommen die reißenden Wölfe und zerstreuen, verwüsten und zermalmen mit ihren Händen, das übrige zerstampfen sie mit ihren Füßen.  Wie der heilige Prophet Daniel sagt: O was soll ich sagen, Gott vom Himmelreich? . .  Mein Herz will mir brechen.  Gott weiß, meine allerliebsten Kindlein, daß ich vor großen Schmerzen und Weinen schier nicht schreiben kann, oder mag.  Nicht geschieht aber solches aus der Ursach', als klaget mich mein Gewissen an, als hätt' ich Schuld an der Zerstreuung, nein, ich habe keine Schuld an der Zerstreuung, ich bin nie wohl daran gewesen, das weiß mein Gott, sondern ist mir allezeit ein Schmerz und ein Greuel gewesen und ein Herzeleid.  Ich habe euch allezeit treulich gewarnt und darwider gefochten, soviel an mir gewesen ist.  Was aber Gott verhängt und zuläßt den gottlosen Schachern und Feinden, welche mich und euch verjagt und zerstreuet haben—da kann ich nicht für, ich muß es mit Geduld, Schmerzen und Leiden annehmen und geschehen lassen.

Darum soll mich niemand also verdammen, als hätt' ich Schuld.  Ich hab' keine und mein Herz ist mir frei deshalben, und ich bin rein von allem Blut, sondern die Gottlosen und die Kinder des Teufels, welche sein rechte Jagd-oder Höllenhund', wie die Schrift sagt, und reißende Wölf', dieselbigen haben's getan.  Ich aber und meine geliebten Brüder und Mithelfer haben euch allezeit treulich versammelt und zusammen gehalten.  Ich hab' euch aber solches allezeit vorhin gesagt und gepredigt durch Gottes Gnade und Geist.  O wie gar oft und viel und ohne Unterlaß hab' ich unten gepredigt, schier zwei ganze Jahr', was sich jetztund begeben oder verlassen hat.  Wie gar reichlich und fleißig ist euch das gesagt und verkündigt worden, auf daß ihr euch darnach richten und halten, und wie ihr euch darein schicken sollt, und Gottes Wort fleißig hören und behalten in euren Herzen, auf daß ihr's herfür habt, zu zeugen zu der Zeit der Not.  Denn Gott möchte euch sein Wort noch teurer machen und uns von euch, oder euch von uns.  Es wäre denn, in welcher Gestalt er wollt' nehmen, hab' ich euch gesagt, und wie ihr hernach ohne uns gleich so wollt Gott glauben und vertrauen, und ihm dienen und bekennen und allezeit vor Augen haben und alle von Herzen lieben, und ja auch untereinander, als die frommen Kindlein Gottes; und ihr sollt euch allezeit seines Willens fleißen und Gebot halten und in seiner Wahrheit verharren bis ans Ende.  So werdet ihr selig und mit uns Freud' haben ewiglich.  Und in Summa, wie ihr euch in allen Dingen gegen Gott und allen Heiligen und allen Menschen halten sollt.  Nun, solches ist schon kommen.  O wohl dem, der Gottes Wort fleißig und wohl gehört und behalten hat, und jetzt treulich danach lebt und wandelt.

O ihr meine herzallerliebsten Geschwister, wollte Gott, daß ich solche Trübsal mit meinem Leib möcht' absetzen.  Wie gar gern wollte ich meine Wangen und meinen Rücken und alle meine Glieder dem Schchlachtenden darbieten und meinen Leib geben in alle Marter und Pein durch die Hilfe Gottes.  Aber was soll ich sagen?  Ihm ist ja also und nicht anders.

Gott vom Himmel wolle selbst Wächter sein, daß keines verloren, noch aus seiner Hand gerissen würde.  Die Stund' und solche Trübsal ist ja über uns kommen.  Gott geb' uns Geduld, daß wir auch des Trostes und der Freuden erharren mögen.  O du meine geliebte und heilige Stadt des Allerhöchsten, wie soll ich dich verklagen?

Mir ist wohl wie dem heiligen Propheten Jeremia.  O du heiliger Lustgarten des Herrn.  Was große Freud und Lust hab' ich oft in dir gehabt.  O wie gar viel schöner, lustiger, lieblicher und wohlschmeckender Blumen sein da gewesen und viel Wollust des Herrn.  O du heiliges Volk, du himmlisches und ewiges Jerusalem, wohl dem, der dir wohl red't und wohl will; wehe aber allen denen, die dir übel reden und dich beleidigen.  Der Herr wird's ihnen vergelten nach ihren Taten und Werken.  Die aber mit dir und um dich trauern, die mit dir leiden und Leid tragen, die werden sich auch mit dir freuen und frohlocken, wie denn Gott auch selber spricht durch seine heiligen Propheten und Apostel.  Des tröstet und freut sich auch mein Geist und Herz, denn ich weiß, daß ich treulich mit euch leide und trauere, und begehre zu leiden.  Darum hoffe ich, daß ich auch mit euch des Trostes teilhaftig werde werden, denn ich hoffe und trau und bin sein auch gewiß zu meinem Gott und in dem Herrn Jesu Christi, daß ich euch nicht vergesse, und ewiglich nicht vergessen kann oder mag.

O ihr meine Herzallerliebsten, ich sage wohl mit dem heiligen David: vergesse ich euch, so wird auch Gott mein vergessen, oder meiner Seelen, ehe daß ich euch vergessen wollt'.

O ihr meine herzallerliebsten und auserwählten Kindlein, daß es Gott wollt' vom Himmelreich, daß wir uns noch mit Freuden möchten aneinander sehen und beschauen in göttlicher Liebe hier auf diesem Erdboden, ihr mich und ich euch.  O daß uns der allmächtige und barmherzige Gott und Vater noch zusammen versammele.  Wie wollt' ich's so gern, ja herzinniglich gern, sehen, wie gar hoch und fast inbrünstig verlangt mein Herz, Seel' und Geist danach.  Wie gar gern wollt' ich des Tag's erleben, und das wollt' ich tun um euretwillen, und ob ich gleich viel darum müßt' leiden und gedulden.  Sonst aber, oder um meinetwillen begehr' ich mir nicht zu leben, sondern ich wollt' viel lieber daheim sein bei meinem himmlischen Vater und bei dem Haufen, der da feiert und ruhet von aller Arbeit; der von aller Trübsal und Sorg' frei, ledig und los ist, wie der heilige David sagt.

Nun aber, ihr meine herzallerliebsten Kindlein, was da geschen ist und wie es um euch und mich steht, das hab' ich ja nicht können wenden, auch mag ich's noch nicht tun und wenn mir gleich mein Herz gar zerbricht und ich halt vor Leid stürb'.  Hätt' ich's aber mögen wenden, wie gar gern und williglich wollt' ich mein Leben darum lassen und große Marter darum leiden.  O wollte Gott, daß ich allen Schmerz allein für euch tragen könnt'.  Ich weiß aber wohl, daß ich mit meiner Sorg' und mit meinem Weinen und Trauern nichts ausrichte; jedoch ich kann's nicht unterlassen, denn die Liebe und der Geist Gottes zwingen mich also.  Nun bitt' und vermahne ich euch durch die große Liebe und herzliche Barmherzigkeit Gottes, ihr meine herzliebsten Kindlein, daß ihr euer Leben wollt' zerstören nach dem Willen Gottes und nachlauft dem Exempel und nach der Lehr' Jesu Christi; und wie ich euch hab' gepredigt und gelehret, also ist es recht vor Gott und ihr sollt daran nicht zweifeln, denn das ist die göttliche Wahrheit und der rechte Weg, wie ihr vorhin und allezeit mündlich von uns gehört habt durch Gottes Gnade und Geist, welches euch genug bezeugt ist mit der Wahrheit.  Und ich begehr' solches auch zu bezeugen mit meinem Blut durch die Hilf' und Gnade Gottes.  Habt Gott von Herzen lieb und haltet seine Gebote, so werdet ihr selig, und fleißet euch seines heiligen Willens ohne Unterlaß in allen Dingen.  Seid dem Herrn und seinen Heiligen ein' Ehr' und ein Preis unter diesem gottlosen Geschlecht und leuchtet wie ein Licht mitten in der Finsternis und habt euch untereinder inbrünstiglich lieb aus reinem Herzen, als die neugeborenen Kindlein, die aus Gottes Wort und Geist widergeboren sind, so diene einer dem andern in aller Treu' und Lieb' in allen Dingen, ein jedliches mit der Gab', die er von Gott empfangen hat.  Und tut's willig und gern, ohne allen Murmelns und Widerwillen; denn allein der, der willig und gern, mit Lust und großer Freude Recht tut und Gott seinem Volk dienet in göttlicher und heiliger Lieb', und wird getrieben durch Gottes Lieb' und Geist, den hat Gott lieb und hilft ihm.  Und wer von ganzem Herzen freiwillig ist, Gott zu dienen, und gehorsam zu sein in allen Dingen, an dem hat Gott ein Wohlgefallen und Lust als an seinen lieben Kindern.

Darum werdet nicht verdrossen, Gutes zu tun und seid nicht trag in eurem guten Vornehmen.  Werdet nicht faul und schläfrig in guten Werken und dem Herrn nachzufolgen.  Schaut, daß die Liebe und das Licht Gottes nicht in euren Herzen erlöschen gegen Gott und seine Heiligen.  Sehet und trachtet nimmer hinter sich, sondern jaget für sich und dem fürgesteckten (vorgesteckten) Ziel nach, auf daß ihr das Kleinod erlanget und gekrönt werdet.  Erzeigt euch untereinander in aller Zucht, Ehr' und Gutmütigkeit und seid gegen den andern ehrerbietig, lieblich, freundlich, brüderlich, herzlich, als die Kinder Gottes und Nachfolger Christi, und seid nüchtern und wachsam und geduldig in der Trübsal als Jünger und Schäflein Christi, und bleibt beständig in der Apostel Lehr', welche ihr gehöret habt, und in der Gemeinschaft Jesu Christi und aller Heiligen, und im Brotbrechen, in welchem euch angezeigt wird das Leben und die Liebe zu Jesu Christi, und die Liebe, die wir untereinander haben und haben sollten; und bleibet beständig im Gebet mit ernstlichem Anhalten und Schreien zu Gott Tag und Nacht, im Geist und in der Wahrheit mit starkem Glauben zu dem gnädigen Vater vom Himmelreich.  Und wachet recht auf ihr heiligen, christlichen Herzen, und hebet eure Häupter und Herzen auf zu Gott, eurem und meinem himmlischen Vater, und habt eure Freud' und Wollust allein in ihm und in seinem heiligen Gesetz, und euer Gemüt, Seel' und Geist und euer ganzes Herz soll allezeit bei Gott im Himmel sein; und wachet Tag und Nacht mit großem Fleiß mit aller Heiligkeit, in aller Gerechtigkeit und Wahrheit, in aller Furcht Gottes und mit reinem Herzen, wahrhaftigem, reinem und heiligem Herzen, wartet auf euren Bräutigam und König, auf euren Erlöser und Heiland, auf den Herzog des Lebens und rechten Erzhirten, welcher zukünftig ist und nicht weit, nämlich Jesus Christus, unser lieber Herr und Meister.  Legt an das hochzeitliche und heilige Ehrenkleid, welches ist: Liebe, Glaube, Hoffnung, Gerechtigkeit und Wahrheit, und in Summa, Christum Jesum, den Sohn Gottes, und seid gerüstet mit allen guten Werken, die da kommen aus einem reinen, wahren, lebendigen und heiligen Glauben, und aus einem heiligen und gottesfürchtigem Herzen, auf daß ihr würdig werdet, mit ihm einzugehen zu seiner Freud' und Herrlichkeit.  Amen.

O ihr Liebsten, wachet auf, wachet auf um des Herrn willen, denn unser König kommt und das mit großer Gewalt und Herrlichkeit.  Die Zeit ist vorhanden, die Stund' ist schier gar ausgelaufen, der große und erschreckliche Tag des Herrn, der da kommen wird über alle Menschen, der hat sich schon gar herzu gemacht.  Die Wunder und Zeichen, dabei wir's erkennen sollen, die sind vorhanden und gehen alle reichlich in Schwung, denn alle Sünd' und Schalkheit, ja, alle Ungerechtigkeit hat überhand genommen.  Die Liebe ist in vielen erkaltet und gar erloschen, das heilige Evangelium ist und wird gepredigt reichlich, und der Hall davon ist ausgangen in die ganze Welt.  Ohne Maß viel falsche Propheten und Christen haben sich erhoben und sind vorhanden.  Man vergießt viel unschuldiges Blut, die Gottlosen handeln nur überaus gottlos, ihre Schalkheit hat weder Zoll noch Maß; und wie die heiligen Propheten sagen, der wüste Greuel regieret mit ganzer Gewalt und wir sehen ihn vollkommen in aller Schalkheit und Sünde, und in Summa, von allem diesem haben die heiligen Propheten und Christus selber gepredigt.

Viele sprechen, ei, er verzieht die Zeit und wird nichts aus keinem Gesicht, ja, die Tage verlängern sich und viele Versväter sind verhanden, die da sprechen: Wo ist die Verheißung seiner Zukunft?  Es bleibt alles, wie es von Angang gewesen ist.  Wie Ezechiel und der heilige Petrus sagen: aber sie wollen mutwillig nicht wissen, und ich fürchte nichts so hart, als daß es mit euch unter uns so gescheh', als denn unter vielen schon geschen ist, daß ihrer viele sprechen: Ei, mein Herr kommt noch lange nicht, und fangen an zu essen und zu trinken mit den Gottlosen, und haben Gemeinschaft mit ihnen und fangen an, ihre Knechte zu schlachten und zu peinigen; wie Christus sagt von dem schalkhaften Knecht, aber der Herr wird sie überfallen an dem Tag und zu der Stund', da sie nicht meinen, und haben keine Sorgen.  Denn wenn sie meinen, es sei Friede, so wird sie das Verderben überfallen.  Gott wolle, daß es nicht vielen aus uns widerfahre.

Der Herr hat nicht umsonst gesagt, daß er über die Gottlosen kommen will, wie ein Dieb in der Nacht kommt, wenn das Volk am allerbesten schläft und keine Sorg' hat.  O Herr Gott vom Himmelreich, es ist gar wohl zu besorgen, wie ihrer gar viele schläfrig und unbereit sein werden in der Zukunft des Herrn, die doch vermeinen, des Herrn Nachfolger zu sein.  Darum sagt Christus: Seid alle geschickt und bereit, wachet ohne Unterlaß alle Stund', Tag und Nacht, denn ihr wißt weder Tag noch Stunde, wann euer Herr und König kommen wird.  Denn er wird kommen an dem Tag, da ihr nicht meinet, und zu der Stunde, da ihr nicht wißt.  Merket auf, was uns Christus sagt, und wie er uns so gar treu und fleißig warnet.  Darum wachet und seid alle Augenblick geschickt und bereit, auf das ihr würdig würdet, mit ihm einzugehen, und halt' ein jeglicher steif an dem Herrn und an seinem Wort, bis er hingenommen wird.  Damit ein jeglicher heilig, rein, fromm und gehorsam erfunden werde vor Gott.  So schicket euch nun in der Trübsal und in die Anfechtung mit großer Geduld und nehmet das Kreuz an mit großem Dank von Gott, denn es ist gar ein seliges und liebliches Ding darum.  Wer es also annimmt, dem ist's eine hohe edle Gab' von Gott aus großer Lieb', Gnad' und Barmherzigkeit; denn Christus sagt: Selig sind alle, die da um meinetwillen Leid tragen und verfolget werden um der göttlichen Wahrheit und Gerechtigkeit willen, denn sie sollen getröstet werden und das Himmelreich ist ihr eigen; und abermals spricht er: Seid getrost, meine Kinder, denn euer Elend und Traurigkeit soll in Freud' und große Herrlichkeit verkehrt werden.  Jesaja sagt: Freuet euch und frohlocket, seid wonnesam alle, die ihr um uns und mit uns getrauert habt.  Ihr werdet auch mit ihm erfreut werden.  Der heilige David sagt, wenn der Herr unsere Gefangenschaft enden wird, so werden wir ganz fröhlich und unser Herz und Mund voll Rühmens und Lobes Gottes sein.  Wir gehen hier herum mit Weinen und großem Trauern, und tragen den edlen Samen, aber mit großen Freuden werden wir unsere Frucht bringen, der göttlichen Gerechtigkeit, vor Gottes Angesicht.  Und wir werden empfangen die neuen Früchte und den Lohn des ewigen Lebens, des neuen Jerusalems.

Und abermals sagt die Schrift, daß Elend und Traurigkeit der Herrlichkeit, Ehr' und Freud' voran geht.  Der heilige Paulus sagt: So wir nicht leiden, so werden wir nicht erben; so wir nicht erben, so werden wir auch nicht herrschen.  Abermals spricht er: Unsere Leiden und Traurigkeit sind der Freud' und Herrlichkeit nicht wert, die an uns soll geoffenbaret werden; und abermals sagt er: Unser Leiden, das geistlich und klein ist, schafft und bringt große, treffentliche und unaussprechliche Herrlichkeit und Freud'.

Der heilige Petrus spricht: So wir in mancherlei Trübsal bleiben, und verharren und glauben in dem Herrn und leben nach seinem Wort, so werden wir uns auch mit ihm freuen mit unaussprechlicher Freud' und Herrlichkeit, die kein Mensch aussprechen mag.  Darum freuet euch und seid getröstet ihr heiligen, frommen und christlichen Herzen, denn euer Lohn und Freud' wird groß sein vor Gott, und ist nicht weit dahin.

O wie gar viel reden die heiligen Propheten davon und alle Heiligen.  Denn wenn ihr bei Gott und seiner heilgen Wahrheit bleibt, und bei seiner heiligen Gemein und in seinem heiligen Bund, ja, in aller Gerechtigkeit und Wahrheit verharret, und ritterlich streitet in aller Trübsal für die ewige göttliche Wahrheit bis an euer End', und daß ihr den Herrn täglich bekennet mit Worten und Werken vor dem gottlosen Geschlecht, und so ihr Gott und seinen Kindlein treulich dienet und gehorsam seid in allen Dingen, und so ihr die ganze Welt, Teufel, Sünde, Tod und Höll' und euch selber überwindet, ritterlich streitet und hindurch streitet, und dringet aus dieser argen Welt in die künftige, und durch diesen zeitlichen Tod zu dem ewigen Leben — wenn ihr das tut, so wird euch Gott aufsetzen eine herrliche Kron', die nimmermehr welk wird, und wird euch geben ein Königreich, das kein End' nimmermehr haben wird, und wird euch geben Ruhm und Fried' und große Freud', die nimmermehr von euch genommen wird; und große Herrlichkeit, die da bleibt in Ewigkeit.  Und er wird euch verklären und euren Leib gleichförmig machen dem glorifizierten Leib Jesu Christi, der dann viel Heller und besser leuchtet als die Sonne.

Also werdet auch ihr leuchten und scheinen im Reich Gottes; mit schöner und weißer Seide wird er euch zieren und bekleiden, und mit dem alleredelsten Gold und Kleinodien.  Und der Herr wird herabsteigen von dem Thron seiner Herrlichkeit mit den Scharen vieler tausend Engel, und wird die Seinen auferwecken und versammeln mit hellen Posaunen, wie er denn im Geist und in der Wahrheit schon jetztund entfacht; und er wird euch und alle Auserwählten samt den Scharen seiner himmlischen Heerscharen zu sich nehmen; und wird euch mit ihm führen in sein Reich in den Wolken des Himmels, und also werdet ihr und wir bei dem Herrn sein für und für.  Und werden mit ihm herrschen, leben und schweben mit allen himmlischen Heerscharen und mit allen Heiligen vor Gott und seinem Reich, mit großer und unaussprechlicher Freud', immer und ewig.  Amen.

Der allmächtige, ewige und barmherzige Vater vom Himmelreich helfe euch und uns allen dahin durch sein Kind Jesum Christum, unfern lieben Herrn, welchem sei Preis, Ehre, Lob und Dank gesagt in seiner Höh', in seiner königlichen Majestät, immer und ewiglich.  Amen.

Das ist meine und unser aller Bitt' an euch um des Herrn willen, daß ihr Gott mit dem allerhöchsten Ernst und Fleiß für uns bittet, Tag und Nacht, ohne Unterlaß, denn es tut vonnöten.  Desselbigen gleiches tun auch wir für euch; daran wir sehen und erfahren und wissen, daß Gott euer Gebet erhört im Himmel dort oben.  Wiewohl wir wissen, daß ihr solches vorhin tut, auf daß ihr aber nicht läßig werdet, sondern je länger und je fleißiger, darum reizen und vermahnen wir euch zu solchem.

Die liebe Schwester Nändl liegt noch gefangen.  Sie geht wohl hin und wieder ins Haus und anderswo, aber man läßt sie nicht weg mit willen.  Wir hoffen aber zu Gott, der Herr werde ihr in kurzem aushelfen.  Wir haben wohl im Sinn, uns nach Gottes Willen darnach zu geben.  Sie ist aber fromm und redlich im Herrn und steht in großer Furcht Gottes und in heiliger Lieb' gegen Gott und gegen euch und gegen alle Heiligen.  Sie hat einen schönen Ruhm vor dem Herrn.  Gott sei in Ewigkeit Lob, Ehr' und Preis für sie gesagt im Himmel dort oben.  Und Gott gebe uns und ihr noch für und für bis an unser Ende Beständigkeit in seiner göttlichen Wahrheit, durch Jesum Christum.  Amen.

Wir haben eine Schwester zu ihr geschickt.  Sie läßt euch alle von ganzem Herzen in heiliger, reiner Lieb' gar treulich und fleißig grüßen mit dem heiligen Kuß Christi, nur gar hoch und fest in dem Herrn.  Ihr Herz ist angezündet in heiliger und göttlicher Liebe und brennt gegen euch.  Desselbigen gleichen grüßen euch auch die lieben Schwestern und Brüder, die hier sind, nämlich die ganze Gemein Gottes in aller Maß und Gestalt, wie vor steht von der Schwester Nändl, und ich, Jakob, ein armes, elendiges Würmlein des Herrn, doch sein Diener und sein Knecht aus seiner großen Gnad' und Barmherzigkeit, euer Apostel, Hirt' und euer lieber Bruder, als ich hoff', und euer Mitgenosse in Trübsal und der Geduld Christi und seiner Kindlein.  Ich grüß' euch alle miteinander, ein jedliches in Sonderheit, als da viel euer sind, die da Gott fürchten und lieben.  Ich grüße euch von ganzem Abgrund meines Herzens zu viel tausend Mal mit dem heiligen, himmlischen und reinen Kuß unseres lieben Herrn Jesu Christi in heiliger, brennender, inbrünstiger, ungefälschter und christlicher Liebe; mit dem ewigen, väterlichen, himmlischen Frieden, den uns Christus erworben und geben hat, und mein Herz wünscht euch solches ohn' Unterlaß, und mein' Seel' und Geist grüßet euch also allezeit; und mein Herz gedenket und redet im allerbesten von euch gegen Gott und gegen alle Menschen.  Und ich gedenk' euer in göttlicher Lieb'.  Wollte Gott, ich möcht' euer jegliches in Sonderheit grüßen mit meinem Munde und mit meiner gegenwärtigen Person und mit meinem heiligen Kuß.

Der Herr vom Himmelreich, unser allerliebster Vater, und mein' Seel', Geist und Leib sei mit euch durch Jesum Christum, immer und ewiglich.  Amen.  In Ewigkeit Amen.

(Gesandt aus dem Etschland durch den Bruder Michl, anno Domino 1536 Jahr)

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