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Die Andere (2.) Epistel von Jacob Hutter an die Gefangenen des Herrn gegen Hohenwart

Er wünschet ihnen Gnad' und danket Gott um sein bewiesenes Heil, und zeiget an das Trauern, indem daß sie nicht bei ihnen sein sollen; auch, wie sie mit ihnen leiden, und ihrer im Gebet gedenken, mit viel tröstlicher Ermahnung, dem Herrn treu zu sein, und bildet ihnen vor die Belohnung der Frommen und ihren Wohlstand, auch sein' und der Gemeine Trübsal und ihr Verlangen zu der Ruhe, und die Ankunft des Afruzen und anderer mit ihm, auch entbeut er ihnen den Gruß.

Jacob, ein Diener Jesu Christi, samt anderen Dienern und der ganzen Gemein Gottes, den Gefangenen in Christo Jesu zu Hohenwart.  Die unaussprechliche Gnad' und Barmherzigkeit von Gott dem himmlischen Vater wünschen wir euch ohne Unterlaß von ganzem Abgrund unseres Herzens, durch unseren Herrn Jesum Christum.  Amen.

Gebenedeiet sei Gott der Vater durch Christum Jesum unsern lieben Herrn, der uns würdig gemacht hat, zu leiden um seines allerheiligsten und großmächtigsten Namens willen, und der uns berufen hat von der grausamen Finsternis dieser argen und elenden Welt und hat uns angenommen zu der Gemeinschaft aller auserwählten Heiligen, zu der himmlischen Bürgerschaft und zu den Scharen vieler tausend Engel.  Gott helfe uns, das Ziel zu erlangen durch seinen heiligen Namen und durch unsern lieben Herrn Jesum Christum zum Lob seiner Herrlichkeit.  Amen.

Ihr auserwählten und herzallerliebsten Geschwister, wir haben gehört und verstanden, und in der Wahrheit erfahren, wiewohl mit großen Schmerzen und Trauern, daß ihr (aber doch um der göttlichen Wahrheit willen) gefangen liegt.  Nun aber wissen wir nicht, wie es um euch steht, wiewohl wir Brüder haben ausgeschickt, nach euch zu fragen, so wissen wir doch noch keine eigentliche Botschaft von euch, die man gesagt hat, und wir sind ganz traurig um euch, daß wir nicht sollen mündlich mit euch reden mögen, oder von Angesicht beschauen.  Und wir leiden gar herzlich und treulich mit euch, wir bitten auch Gott allezeit ohne Unterlaß treulich mit großem Fleiß und Ernst für euch, ja, für alle Heiligen.  Die ganze heilige Gemein hier zu Ausspitz tut solches ohne Unterlaß für euch gegen Gott in heiliger und göttlicher Lieb.

Darum können wir nicht unterlaßen euch aus heiliger, göttlicher und brüderlicher Liebe zu trösten mit diesem Trost, damit uns Gott getröstet hat.  So bitten wir euch durch die herzliche Barmherzigkeit Gottes in der göttlichen Wahrheit bis an das End' zu beharren und erschrecket nicht ob der Gottlosen Trutzen.  Sie mögen euch nicht ein Harl' nehmen ohne Gottes Willen, sondern heiliget Gott dem Herrn in euren Herzen.  Wie Petrus spricht, daß so viel wird gered't.  Gebt Gott die Ehr', und nicht den gottlosen Menschen.  Preiset Gott, lobet ihn und vertrauet ihm von ganzem Abgrund eures Herzens, und zweifelt nicht an seiner Hilf' und großen Barmherzigkeit; und ob es sich gleich zu Zeiten ließe ansehen, als wollt' er euch verlassen, so wird es doch nicht lange geschehen.  Ob euch schon Gott in Trübsal führet, er wird euch auch wieder herausführen.  Vergeßt nicht den Trost des heiligen Geistes, den Gott zu euch und zu allen seinen Kindern red't durch alle seine Propheten und Knechte von Angang.  Denn Gott spricht also zu den Seinigen: fürcht' dich nicht, mein Diener, du armes Würmlein, ich will bei dir sein im Feuer und im Wasser, das ist in aller Trübsal, Angst und Not; und ich will euer König und Hauptmann sein, ja, euer Wächter und Aufseher.

Darum spricht der heilige David in Psalm 21: Der Herr ist mein Schild und ist mein Licht, vor wem sollte ich mich fürchten; der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grausen, und wenn sich gleich ein ganzes Heer wider mich leget, so soll sich doch mein Herz auf den Herrn verlassen.

Merket und betrachtet gar eben, liebe Geschwister, was der heilige David hier anzeiget durch den heiligen Geist.  Und abermals: Ich will mich nicht fürchten vor hunderttausend Völkern und mein Herz soll sich ganz und gar auf den Herrn verlassen (Ps. 13).

Denn mit ihm will ich Wunder und Taten ausrichten (Ps. 60).  Also tut auch ihr, herzlieben Geschwister.  Darum sagt auch der heilige Paulus: Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein.  Christus spricht: Die Meinigen wird mir niemand ans meiner Hand reißen, denn der Vater, der sie mir gegeben hat, ist stärker denn alles.  Wie auch der heilige Prophet Jesaja sagt: Alle Dinge im Himmel und auf Erden, ja, unter der Erde, ja, alle Könige und Fürsten, alle Herren, und in Summa, alle Menschen und alle Kreaturen und alle Heiden find gegen Gott wie gar nichts.  O welch' ein teures, edles und wertes Wort ist das allen Liebhabern Gottes.  Betrachtet's gar wohl und eben in euren Herzen.

Darum spricht auch Christus in Math.7: Wer mein Wort höret und fleißig tut, der ist ein weiser und kluger Mann.  Der sein Haus auf einem guten Felsen baut, wenn schon Platzregen, Wind und Gewässer kommt, und stoßen an das Haus, so fällt es doch nicht.  Das Haus sind alle frommen, christlichen Herzen, darin Gott wohnt, der Felsen ist Christus, der Platzregen und Gewässer sind alle Trübsale, Verfolgung und Leiden und Schmerzen, auch weltiches Trutzen und Drohen, ja, alle falsche Lehr'.  Das wird alles miteinander die Frommen nicht abwerfen von der Wahrheit.  Wie auch Christus hernach abermals spricht (Math. 16): Auf diesen Grund und Felsen will ich bauen meine heilige Gemein und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.  Die Pforten der Hölle sind alle Gewaltigen dieser Welt, nämlich Könige und Fürsten und Tyrannen und Feinde der Wahrheit, ja, die Fürsten der Finsternis und Regenten dieser Welt, dawider wir zu kämpfen und zu streiten haben.

Wie denn der heilige Paulus anzeigt: Denn gleich wie Christus ist die Pforte, oder Tür, zu dem ewigen Leben, und wer ihm nachfolget und von Herzen glaubet, vertrauet und gar treulich Untertan ist, der wird selig werden.

Wie er denn selber spricht, also sie auch sein die Pforten zu der Hölle und zum ewigen Tod.  Wer ihnen glaubt, nachfolget, oder gehorsam ist, der wird gewißlich verdammt werden.  Aber diese höllischen Pforten werden die Kinder Gottes nicht abwerfen, oder abwenden von der göttlichen Wahrheit, denn Christus sagt: die Pforten der Hölle werden sie nicht abwenden.

Diesen Worten gibt auch der heilige Petrus Zeugnis in seinen Episteln, und spricht: Wer will euch schaden, so ihr dem Guten treulich und gar fleißig nachkommet.  Fürcht' euch garnicht vor ihrem Trotzen.  Weiter sagt er: Wenn wir die Wahrheit fürchten, oder die Tugenden des heiligen, christlichen Glaubens fleißig tun und vollbringen, so werden wir nicht fallen.

Der heilige Paulus gibt auch Zeugnis und spricht: Die Hoffnung, die wir haben in Christo, die läßt uns nimmermehr zu Schanden werden.  Darum, daß die Liebe ist ausgossen in unsere Herzen, welche Lieb' ist Christus und der Vater selbst.  Wie der heilige Johannes sagt: Das ist auch der Fels, von welchem vorhin gesagt ist: und darum spricht der heilige Paulus noch weiter: Wer will euch scheiden von der Liebe Gottes, Trübsal oder Angst, Verfolgung oder Hunger, Blöße, Gefahren oder Schwert; wie denn geschrieben steht: Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag, wir sein gleich gerechnet für Schlachtschaf', aber in dem überwinden wir weit, um deswillen, der uns geliebt hat.

Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, Engel noch Fürstentum, nicht Gewalt gegenwärtig noch zukünftig, Hoch's noch Tief's, noch keine andere Kreatur uns scheiden mög' von der Liebe Gottes, die in Christo Jesum, unserm Herrn, ist.

Sehet zu, ihr herzlieben Kinder Gottes, wie sein das so gar gewaltige, trostreiche Worte.  Und abermals sagt der heilige Paulus: Der Herr ist treu und wahrhaftig und läßt euch nicht versucht werden über euer Vermögen, sondern macht allezeit neben der Versuchung ein gnädiges und väterliches Auskommen, daß ihr's wohl ertragen mögt.

Darum spricht er: Hütet euch nur fleißig vor ihren Götzen; wär's als wollt' er sprechen, hütet euch nur gar fleißig und eben vor allen ihren bösen Werken.  Und was euch darum aufgelegt wird, das wird euch Gott gar treulich helfen tragen, und wird euch Hilf' und Beistand tun in allen euren Nöten.  Schauet, meine lieben Mitglieder in dem Leib Christi, wie gar herzlich schön tröstet und der heilige Geist allenthalben.  Es möcht' einem Liebhaber Gottes sein Herz vor großen Freuden springen und lachen, wenn einer solches betracht' und zu Herzen nimmt.  Ja, wenn einer betrübt und traurig wäre bis in seinen Tod, soll er gleich ganz lebendig werden.  Denn das alles miteinander und noch viel mehr ist uns geschrieben zu einem Trost und zu einer Freud.  Darum seid getrost und gehabt euch nur von ganzem Herzen wohl: Denn Gott führet in die Hölle und wieder heraus, er macht traurig und wieder fröhlich, er gibt den Tod und auch das Leben, und nach großem Ungewitter macht er's wieder schön.  Darum seid langmütig und wartet mit großer Geduld auf eures Leibes Erlösung, und werdet nicht müde oder matt in eurem Lauf.  Seht auch nicht hinter sich, und schauet, daß die Liebe in eurem Herzen nicht erlösche oder erkalte.  Schämet euch des Leidens Christi nicht, sondern freut euch des von ganzem Herzen.

Denn ihr wisset, daß euch nichts anderes verheißen oder zugesagt ist hier auf diesem Erdboden, denn Leiden und Sterben, Trübsal und Not, auch große Verfolgung, Pein und Marter, Schmach und Schande von allen gottlosen Menschen.  Das ist das rechte Zeichen und Siegel aller frommen Kinder Gottes, ja, das Zeichen Christi, oder des Menschensohnes und aller seiner Glieder, das zu dem Letzten erscheinen muß nach dem Wort des Herrn.  Ja, Kreuz und Trübsal steht allen Kindern Gottes gar von Herzen wohl an.  Es ist eine schöne Ehr' von Gott, ja, ein lieblicher Ruhm und Friedenskranz vor Gott dem Allerhöchsten und vor allen heiligen Propheten und Patriarchen; auch Christo dem Herrn und allen Jüngern also ergangen, in Summa, allen Auserwählten von Anfang der Welt her.  Dabei wir billig gedenken sollen, wenn uns solches um der Wahrheit willen begegnet, daß wir darum nicht Gottes Feinde sein, sondern seine Freunde und lieben Kindlein.  Wie denn der Herr selber spricht: Welchen ich liebhabe, den strafe und züchtige ich, und welches Kind der Vater aufnimmt, das geißelt er; welche aber die Züchtigung nicht annehmen, noch erdulden, sind nicht Kinder Gottes, sondern der Babylonischen Huren.

Wie denn geschrieben steht: Wohl dem, der die Züchtigung des Herrn erduldet.  Der heilige Geist preist sie an vielen Orten selig in der heiligen Schrift.  Ja, sie haben großen Lohn vor Gott, die darinnen bestanden und beharrten; und selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden, ja, die um des Herrn willen Traurigkeit und Leid tragen.  Weiter auch die, die um der Wahrheit Gottes willen verfolgt werden, denn das Himmelreich ist ihr eigen.  Selig seid ihr, so euch die Leut' und Menschen schmähen um meinetwillen.  Habt Freude und frochlocket, es wird euch im Himmel wohl belohnt werden.

Denn also haben sie verfolgt die Propheten, die unter euch gewesen sein.  Das ist soviel gered't, als wollt' Christus sprechen: Dabei sollt ihr gewißlich merken und erkennen, daß ihr auch geheiligt und Gott gar von Herzen lieb und angenehm seid, dieweil er euch gleich das Zeichen beweist und mitgeteilt, daß er allen seinen Liebhabern hat mitgeteilt und bewiesen.  Darum sagt Christus nur von den Seinigen, wie man sie wird kreuzigen, verfolgen, geißeln, verschmähen, töten und umbringen, berauben und verjagen und peinigen.  Darum spricht der heilige Petrus: Durch Leiden und Sterben müssen wir eingehen in das Reich Gottes.  Und abermals sagt er: Wenn wir nicht leiden, so werden wir auch nicht erben, dulden wir nicht, so werden wir auch nicht mitherrschen oder regieren; und abermals spricht er: Es ist euch nicht allein geben, daß ihr in Christum glaubet, sondern auch mit ihm leidet und denselbigen Kampf kämpfet, den ihr an mir selbst gesehen habt.  Darum will er sie auch nicht anders weisen, denn nur auf den gekreuzigten Christus und auf das Wort vom Kreuz und Leiden.

Der heilige Petrus spricht auch also: Wenn ihr um Wohltat willen leidet und duldet, das ist eitel Gnade bei Gott.  Bald hernach sagt er: Selig seid auch ihr, so ihr leidet um der Gerechtigkeit willen.  Der Geist Gottes ruhet auf euch und wird in und durch euch gepreist.  Der heilige Jakobus spricht auch: Wir preisen alle die selig, die da erduldet habet die Züchtigung.  Ja, noch gar viel mehr schöner Zeugnis haben wir hin und wieder, daß wir uns billig der Band und Leiden Christi nicht schmähen sollen, auch uns derselbigen nicht lassen verdrießen, sondern mit großem Dank und herzlicher Freud' sollen wir solches annehmen von Gott.

Die heiligen Apostel haben nicht umsonst Gott gedankt, da man sie gepeinigt, geschmäht, auch mit Ruten geschlagen hat.  Da gingen sie fröhlich von des Rats Angesicht und sagten Gott von Herzen Lob und Dank, daß sie würdig wären, um des Herrn willen Schande, Schmach und auch Streich' zu leiden.  Sie hielten's gar für ein groß' und edles Ding, oder Kleinod.  Und auch der heilige Paulus rühmt sich nichts bessers, denn des Kreuz oder Leidens Christi, das er selber gelitten hat an seinem eigenen Leib.  Es spricht auch der heilige Petrus: Niemandes leide als ein Übeltäter; leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht, sondern er preise und lobe Gott von Herzen darum.  Der heilige Jakobus spricht auch: Meine Brüder, achtet's für eitel Freude, wenn ihr in mancherlei Versuchung fallet.

Darum, meine lieben Geschwister, tröstet euch mit diesen Worten und verharret ritterlich in der Wahrheit.  Denn Christus spricht: Wer beharret bis ans Ende, der wird selig werden.  Streitet nur gar treulich für die göttliche Wahrheit, so wird auch Gott für euch streiten bis in euren Tod.  Setzt dem Herrn kein Ziel oder Zeit seiner Barmherzigkeit, er weiß und kennt die rechte Zeit und Stunde wohl.  Er wird gar zur rechten und zu der allerbesten Stund' kommen.

Herzliebe Geschwister, bekennet den Herrn nur gar treulich, so wird er euch bekennen vor Gott, seinem himmlischen Vater.  Schämt euch seiner nicht, so wird er sich euer nicht schämen vor Gott seinem himmlischen Vater.  Wer aber Christum nicht bekennet vor allen Menschen, verleugnet ihn und schämt sich sein, den wird auch Christus nicht bekennen vor Gott und allen Engeln, und wird sich auch sein schämen an dem Tag vor allen seinen himmlischen Heerscharen.  Wer aber überwindet den Teufel und sein eigenes Fleisch, und dazu alle Ungerechtigkeit und ritterlich hindurch kämpfet und streitet durch diesen zeitlichen Tod zu dem ewigen Leben, denen wird Gott der Herr aufsetzen eine schöne, herrliche Kron'.  Die werden sie empfangen von des Herren Hand, die da nimmermehr welk wird.  Ja, Gott wird ihnen abwischen alle ihre Tränen von ihrem Angesicht und wird ihnen geben große und unaussprechliche Freud', daß sie der Trübsal nimmermehr werden gedenken, die sie erlitten haben.  So gar groß wird's die herrliche Freud' übertreffen.

Wie denn der heilige Paulus sagt: Ich halt' es darfür, spricht er, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sind, die an uns soll offenbaret werden.  Und abermals: Unser Leiden, das zeitlich und klein ist, das schafft und bringt mit sich eine über alle Maßen groß und treffentliche Herrlichkeit.  Abermals sagt der heilige Paulus, auch der heilige Johannes, daß wir dem Herrn noch ganz gleichförmig werden in dem neuen himmlischen Wesen, und wir werden ihn sehen, wie er ist, und unser Leib wird verwandelt werden und ganz gleichförmig sein dem Leib seiner Klarheit.  Ja, die Auserwälten werden leuchten und scheinen in ihres Vaters Reich wie die schöne und klare Sonne.

O, wohl ein herrliches Reich hat Gott den Seinen geben und zubereitet, das kein Aug' nie gesehen hat, kein Ohr nie gehöret und auch in keines Menschen Herz nicht gestiegen ist.  Wie der heilige Prophet und auch Paulus sagt: Der Herr wird den Seinigen eine ewige Ruhe und Frieden schaffen, daß sie niemand mehr beleidigen wird.

Sie werden bei Gott dem Vater und König Christo Jesu auch mit Abraham, Isaac und Jacob und mit allen Propheten und Heiligen sitzen in dem Reich Gottes, und mit allen Engeln und himmlischen Heerscharen leben und schweben, immer und ewiglich.  Ja, die große und unaussprechliche Freude und Herrlichkeit die Gott geben wird den Auserwählten ist mir und allen Heiligen nicht möglich zu erzählen und auszusprechen; davon alle Propheten und Heiligen an allen Orten in der heiligen Schrift Zeugnis geben, das ich aus meiner Schwachheit nicht erzählen kann oder mag.  Wer solches zu Herzen nimmt, der soll billig sein Herz schicken und bereiten, daß er mit Lust und großen Freuden kämpfe und streite nach dieser Herrlichkeit.  Denn es muß ja darum gestritten sein.

Gott der Herr wolle euch allen und uns diesen Sieg und Streit helfen zu erlangen, und das Kleinod helfen zuwege bringen, durch sein Kind Jesum Christum, unsern lieben Herrn.  Dem sei Preis, Ehr' und Lob gesagt in seiner Höh' und Majestät von Ewigkeit zu Ewigkeit.  Amen.

Weiter, meine herzlieben Geschwister, laß ich euch wissen, wie es um uns steht, nämlich, wohl im Herrn, wiewohl wir große Trübsal leiden; aber es ist recht und gut also.  Gott sei von Herzen Lob und Dank darum gesagt.  Wir leben sonst in heil'ger Lieb', Freud' und Einigkeit des heiligen Geistes.  Wir warten aber allezeit auf noch größere Trübsal und Verfolgung, als wir jetzund leiden.  Der Herr laß' uns ihm befohlen sein durch seine große Barmherzigkeit.  Wir warten mit großem Verlangen auf unseres Leibes Erlösung, auf den Sabbath, wenn wir ruhen und feiern werden von aller Müh' und Arbeit und von allen unsern Werken, daß wir einmal die Mühseligkeiten ablegten, daß unsere Seel' und Geist einmal zur Ruh und Stift käme, auch zu dem ewigen Frieden.  Dahin arbeiten wir auch mit großem Verlangen, nach diesem göttlichen Vaterland, denn hier in dieser elenden Wüsten haben wir keinen Frieden oder Ruhe, auch keine bleibende Stadt, sondern einer zukünftigen warten wir.  Der Bruder Afruz ist auch kommen mit viel andern Geschwistern.  Gott sei Lob, der Herr hat sie wunderbarlich hergeführet.  Wir haben uns ihrer Ankunft fast herzlich und hoch erfreuet.  Gott sei hoch und fast darum gepriesen.  Es sind nicht mehr viel Geschwister oben im Lande.

Weiter, ihr herzlieben Kinder Gottes, der Bruder Hans, Jörg Fasser, Afruz, Leonhard, Wilhelm und alle Diener der Gemein Gottes hier bei uns, mitsamt der heiligen Gemein Gottes des Herrn, ja, alle Kinder Gottes, ein jedes in Sonderheit, lassen euch gar freundlich grüßen, zu viel hunderttausendmal, in heiliger, göttlicher und ungefälschter Lieb', mit dem himmlischen, heiligen Kuß unseres Herrn Jesu Christi noch gar hoch und fast, von ganzem Abgrund ihres Herzens.  Amen.

Und ich, Jacob, ein unwürdiger Diener unseres Herrn Jesu Christi und seiner heiligen und christlichen Gemein, ich grüß euch dermaßen von ganzem Herzen in reiner, heiliger, göttlicher, ja brüderlicher Lieb' mit dem heiligen Kuß meines Herzens hoch und fast zu viel hunderttausendmal und auch ohn' Unterlaß allezeit.  Mit meiner eigenen Hand habe ich euch solches geschrieben in der heiligen, reinen Liebe Gottes, und seid also getröstet durch mein einfältiges Schreiben und treue Vermahnung, die ich euch tu.

Wiewohl ich gar viel lieber mündlich mit euch reden wollt', nun aber mag es jetztund nicht sein, damit seid Gott befohlen in seinen gnädigen Schutz und Schirm und unter seinen gewaltigen Arm und unter die Flügel seiner göttlichen Barmherzigkeit.  Er sei mit euch ewiglich und wolle uns zusammen sammeln und schicken, durch den heiligen Geist und seinen Frieden, und wolle uns beieinander und bei ihm in seiner Wahrheit erhalten; und bekräftigen bis an unser Ende und ewiglich, durch unsern Herrn Jesum Christum; dem sei abermals von Herzen Lob, Ehr' und Preis gesagt zu ewigen Zeiten.  Amen.

(Geschrieben und gesendet von Ausspitz aus Mähren gegen Hohen wart.  Inns, Österreich)

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