Die 3. Epistel von Jacob Hutter an die Gemein Gottes in Mähren
Von Gott wünscht er ihnen Gnad', mit ernstlichem Gebet, beständig zu bleiben, und erzählet auch die Freud', so er und die bei ihm sind, durch ihre Botschaft empfangen haben, samt ihrem Wohlstand im Herrn; meldet auch auf beiden Teilen die Trübsal, wie etliche gefangen und eine Schwester wieder unbefleckt ledig sei worden, zeigt auch an die Gebrechlichkeit alles Fleisches, warnet hiermit vor der Leichtfertigkeit, auch die Hinderung an der Botschaft tut er melden, mit treuer Ermahnung, steif zu bleiben, begehret sein und aller Frommen im Gebet zu gedenken, entbeut ihnen hiermit den Gruß.
Jacob, ein Diener des Herrn und seiner heiligen Gemein, samt allen Heiligen und Kindern Gottes, die hier sind im Pustertal und Etschland, den auserwählten Heiligen und Kindern Gottes, den lieben Gästen, Fremdlingen und Pilgrimmen des Herrn, unseren herzlieben Brüdern, wo sie sind im ganzen Mährenland verjagt und zerstreut, in Elend und Armut, unsern Geliebten im Geiste — die unaussprechliche Gnad' und Barmherzigkeit, und der ewige Fried' und Segen und die Huldschaft und Hilf' unsres lieben Vaters vom Himmelreich, und der Trost und die Salbung des heiligen Geistes von oben herab sei mit euch, ihr geliebten und auserwählten Brüder, mitsamt allen frommen, betrübten, christlichen Herzen. Ja, Gott vom Himmel tröst' und stärk euch, und schaff' euch Hilf' und Beistand in eurer großen Not und Anliegen, und in eurem Elend und großen Trübsal. Ja, er gebe euch Wein zu trinken vom Himmel herab, der euch stärke, tröst' und fröhlich mach' in eurer Trübsal durch den Trost seines heiligen Geistes.
O Gott vom Himmel sei euer Hauptmann, euer Schutz und Schirm, für Schloß und Burg, für eure Feinde und Widersacher. Ja, Gott vom Himmelreich wolle sich über euch erbarmen und wolle euch ansehen mit den Augen seiner gar großen Barmherzigkeit. Gott vom Himmel, der Vater aller Barmherzigkeit, der wolle seine Kraft und Stärke, seine Allmächtigkeit, seine Wunder und Taten, auch die großen Zeichen und seine überflüssige Barmherzigkeit an euch erzeigen und beweisen in allen Dingen.
O Gott vom Himmelreich, verkürze die Tage der großen Trübsal um deiner Auserwählten willen, behüt' und bewahre, beschütz' und beschirme, und versorge dein heiliges Volk. Erledige, erlös' und errett' sie von ihren Sünden, Feinden und Widersachern, die ihnen Tag und Nacht nachstellen nach ihren Seelen. O Gott vom Himmel, laß dich das Elend, die Schmerzen, die große Trübsal und das große Herzeleid deiner elenden Kindlein erbarmen in deinem Himmel dort oben. O komm', du barmherziger Gott, eil' schnell und bald und verzieh' nicht länger deine Hilf' und deine Barmherzigkeit um deines Kindes Jesu Christi willen, und um deines heiligen Namens willen. Erbarme dich deines heilgen Volkes und laß es dir befohlen sein. Und gib ihnen und uns allen deinen göttlichen Rat, die Erkenntnis und die Weisheit deines heiligen Geistes von oben herab, auf daß wir wissen, was wir tun und lassen sollen, und was dir Gott im Himmel gefällt, daß wir handeln und wandeln und tun und leben nach deinem Willen und Wohlgefallen, wie alle Dinge richten und regieren in deiner Furcht, zu deinem Lob und Preis; und leit' und führ' uns durch dein göttliches, ewiges Licht und durch deinen gnadenreichen, heiligen Geist, und durch deine heiligen Engel in alle Wahrheit und wo du hin willst; daß wir dir Ehr' und viel Frucht bringen und dir und deinem Volk auf das fleißigste dienen mögen.
O Gott vom Himmel, steig' herab und steh' deinem Volk bei, steh' ihnen bei und laß sie dir, Gott, samt uns befohlen sein in allen Dingen, durch Jesum Christum und durch deine Barmherzigkeit. Also wünschen wir euch, ihr Geliebten und Auserwählten des Herrn, und also dergleichen bitten wir Gott Tag und Nacht ohne Unterlaß mit großem Ernst und mit großem Fleiß. Gott, erhör' unser Gebet durch seinen heiligen Namen und durch sein Kind Jesum Christum. Amen.
Ihr herzlieben Brüder und Schwestern, wir haben von euch Botschaft und Schreiben empfangen, und Gott hat eure und unsere Brüder glücklich zu uns geschickt, die wir mit großen Freuden und heiliger, göttlicher Lieb' empfangen und aufgenommen haben. Und alle eure Botschaft haben wir mit großem Dank, mit dem allerhöchsten Fleiß, in großer Furcht Gottes, ja, in göttlicher, heiliger Liebe empfangen und angenommen. Wir haben's treulich gehört und vernommen und es mit dem allerhöchsten Fleiß und Ernst den lieben Kindlein hier bei uns verlesen und verkündigt: von eurem Glauben, eurer großen Lieb', die ihr tragt zu Gott und zu allen Heiligen; dazu eure Verfolgung und große Geduld, die ihr darinnen habt. Solches haben wir mit Fleiß erfahren und verkündigt, ja, gar fleißig in unseren Herzen betrachtet. Es sind auch unsere Herzen dadurch gestärkt und getröstet worden und wir bitten, loben, ehren, preisen und danken dem allmächtigen Gott desto fleißiger für euch und für uns ohne Unterlaß. Ja, Gott der Herr sei gepriesen dort oben im Himmel, durch Jesum Christum, immer und ewiglich. Amen. Amen.
Weiter, ihr geliebten und auserwählten Kinder des lebendigen Gottes, ist uns darnach bald mehr Botschaft von euch kommen durch unsern und euren lieben Bruder Hänsel. Dieselbige Botschaft und dieselbigen Brief' hab' ich, Jacob, gehört und verlesen, und auch zu kund getan mit Fleiß allen Kindern Gottes. Wir haben gleich die Kinder Gottes versammelt und eine Gemein gehalten durch Gottes Gnad' und Barmherzigkeit, und sind zwei oder drei Tag' beieinander gewesen und haben Gottes Wort gered't und verkündigt; und Gott hat uns beschützet und beschirmet, und ob uns gehütet und gewacht, daß wir seinen Befehl haben mögen treulich ausrichten nach unserm Wunsch und Begehren. Wir haben auch des Herrn Nachtmahl gehalten, als wir hoffen zu Gott, in der Kraft und in der Wahrheit. Darum sei Gott der Vater hochgelobt und gepreist, gebenedeiet und geehrt im Himmel hoch dort oben, und ihm sei von ganzem Herzen Dank gesagt durch Jesum Christum ewiglich. Amen.
Solches verkündigen wir euch auch, ihr herzlieben Geschwister und Kinder Gottes, auf daß ihr getröstet und erfreut werdet in euren Herzen, und Gott den Herrn auch mit uns lobt und preist, und desto mehr Hoffnung und Zuversicht zu Gott gewinnet in eurer Not und Trübsal.
Ja, wir haben eine liebliche, heilige Versammlung gehabt und Gott hat's ganz glücklich geschicket und vollendet; wiewohl die Gefährlichkeit groß ist, aber Gott kann wohl beschützen und beschirmen. Ja, wo er hütet und wacht, beschützen und beschirmen will, da geht es alles für sich und niemand mag's verhindern. Und da ist man wohl beschützet und beschirmet und dasselbige Haus ist wohl bewahrt. Wo aber Gott verhängt, zuläßt und zusieht den Gottlosen, und wo er nicht selbst hütet und wacht, beschützen und beschirmen will, da ist all Fürsichtigkeit (Vorsicht), unsere Weisheit und Kunst, all' unser Flehen, Wachen und Aufsehen verloren und umsonst, wie der heilige David sagt, und das wir auch oft wohl gesehen und erfahren haben mit unseren Augen.
Weiter, ihr herzliebsten Kinder des lebendigen Gottes, unsere herzlieben Geschwister, da ich und wir alle eure Botschaft und Schreiben vernommen haben, und eure große Verfolgung und Trübsal, euren Schmerz und Herzeleid, und euer großes Elend und Armut, da ist ein zweischneidend Schwert durch unsere Herzen gedrungen und geschossen. Ja, wir haben nicht unsere Kleider, sondern unsere Herzen durchschnitten und zerrissen, und sind durchstochen worden und betrübt bis in den Tod.
O ihr herzlieben Geschwister, euer Schmerz und Elend hat uns getroffen und wir leiden treulich mit euch, und tragen Schmerzen in unsern Herzen. Wir sind auch alle von ganzem Herzen erschrocken und fast sehr betrübt worden, daß wir mit Schmerzen, mit Heulen und mit Weinen niedergefallen find auf unser Angesicht und auf unsere Knie vor Gott, mit naßen Augen und mit heißen Zähren und haben solches mit Schmerzen Gott geklagt und befohlen, und mit Ernst Gott im Himmel dort oben gebeten, und tun auch solches ohne Unterlaß.
O ihr herzliebsten Geschwister und ihr Kinder des lebendigen Gottes, wie gar herzlich gern wollt' ich bei euch fein in eurer Trübsal. Ja, es ist hier große Not und sehr viel zu schaffen im Herrn und viel Jungreben, Kinder Gottes hin und her und fast weit voneinander, auch noch viele, die nach der Wahrheit fragen, und in allen Dingen viel zu schaffen und zu tun. Gott aber sei um dieses alles gelobt und gepreist im Himmel dort oben. Dennoch vermein ich bei mir selbst und mich dünkt, wo ihr mir mit einem Wort geschrieben oder entboten habt, daß ich sollt' zu euch kommen, so hätt' ich es hart und schwerlich unterlaßen mögen in dieser Not. O wollte Gott im Himmel, daß ich's alles für euch möchte tragen und für euch in die Grube fahren, nach dem Willen Gottes und um seines Namens willen. Weil es aber also ist und also steht, wie ihr wißt und gehört habt, darf ich solches nicht tun oder wagen, um der großen Furcht Gottes willen und um der Not willen, die hier vorhanden ist und auf daß ich nicht etwa eine Leichtfertigkeit begehe. Dazu weiß ich auch nicht, ob ich euch etwa größlich zu Hilf' kommen möcht' oder nicht, dieweil die Sach' also steht. Wo aber solches zu hoffen war, daß ich euch möchte hilflich sein, wollt' ich meinen Fleiß nicht sparen, wo es anders Gottes, euer und aller Heiligen Willen wär', so wollt' ich mein Leben gern dransetzen und nach dem Wohlgefallen Gottes euch dienen und zu euch kommen.
Es ist aber hier auch große Not und die Verfolgung angangen und ein groß' Geschrei von uns, wiewohl uns Gott noch täglich ein Auskommen gemacht hat.
Ja, wir warten an vielen Orten alle Stund' und Augenblick der Schergen und Richter Tag und Nacht. Sie drohen uns auch und wissen die Geschwister fast wohl an etlichen Orten. Gott hat ihnen aber noch zum Teil eine Ursach' in den Weg gelegt, daß sie noch nicht kommen sein, aber nach menschlicher Weis' wär' keine Frist mehr vorhanden; kein Tag und Augenblick, so es nach ihrem Trutzen und Drohen, oder nach ihrem Begehren hinaus ging'.
Es hat der gottlose Richter Peter Mayer seine eigene leibliche Tochter, seinen Eidam und ihre Dirn', drei liebe Geschwister, gefangen. Der grausame Walfisch und Meerdrache hat den Rachen weit aufgetan. Die Dirn' aber, die liebe Schwester, ist auskommen von Schöneck aus dem Schloß, aber mit unbefleckter Seele und nach dem Willen Gottes, denn sie hat den Herrn treulich bekannt und nicht ein Wort nie verwilligt, wiewohl sie alle jung und unerbauet sein. Sie sind aber zu ihrer Jugend ganz fromm und treu gewesen. Gott dem Herrn und seinem Volk Gottes ganz lieblich und gottselig. Des geben wir ihnen alle Zeugnis. Sie haben auch den Herrn ritterlich bekannt vor den Gefangenen und im Gefängnis mit Worten und Werken, mit Leben und mit Wandel. Es hat auch des Peter Mayers Tochter gesagt, ehe sie von der Wahrheit wollt' absteh'nicht, ehe wollte sie zehnmal den Tod erleiden, wenn's möglich war' durch die Hilf' Gottes. Ich will und kann aber nicht bestätigen oder beweisen, daß sie darum beständig bleiben und ausharren bis ans Ende, denn ich kann sie vollkommentlich nicht selig preisen vor ihrem Tod; denn wer bis ans Ende verharret, der wird selig. Es ist auch die Versuchung und Anfechtung des Teufels fast groß über sie. Er liegt noch auf Schöneck. Sie aber hat der Paul, ihr Fleischbruder, hinabgeführt in Kärnten gegen Greifenwink. Daselbst hat ihn der Teufel zu einem Pfleger gemacht, daß ich wohl zum Teil Sorg' trag' um der großen Versuchung und Anfechtung willen, die sie sonderlich und solche haben. Auch um ihrer großen Unwissenheit, oder aus Unverstand, durch große Marter und Pein, und durch viel Versuchung gefallen und gestrauchelt sein, wie die Schrift sagt, und wie wir's oft gesehen und erfahren haben, doch mit großen Schmerzen.
Gedenke und sehe aber ein jeder gar eben auf, daß er mein Schreiben nicht höre oder aufnehme verkehrter Weis', oder ihm zur Verdammung und zum Gericht, und daß jemand wollt' darum leichtfertig sein, oder sich auf solches verlassen und vertrösten. Es wär, zu fürchten, Gott würde ihm keine Barmherzigkeit ewiglich nimmermehr mitteilen, aber die Frommen und Gottesfürchtigen tun es nicht, sondern die Leichtfertigen, die gottlosen und verdammten Menschen versuchen also Gott. Sie verstehn die Heiligen nicht, sondern stechen und stoßen sich daran, und verwunden, verzerren und beflecken ihre Seelen und Herzen damit, und reden und verstehen es alles verkehrter Weis', ihnen zu der eigenen Verdammung, wie der heilige Paulus und Petrus sagt und schreibt und spricht: Wie die Gottlosen oder Unverständigen die Schrift und die Wahrheit verfälschen.
Darum will ich jederman gewarnt haben mit diesen Worten, denn solche werden ein schweres Urteil und Gericht und eine grausame Verdammung empfangen.
Weiter tue ich euch zu wissen, ihr Geliebten in dem Herrn, daß Gott der Herr unser Gebet erhört hat und hat der lieben Schwester Nändl ausgeholfen, durch den Bruder Walser zu uns geschickt oder geführt, die eine lange Zeit um des Herrn willen gefangen ist gewesen. Sie ist aber dem Herrn fromm und treu blieben, und hat ihn allezeit treulich bekannt und Zeugnis geben von der göttlichen Wahrheit mit Worten und auch mit einem heiligen Wandel. Es ist auch ihre Seel' rein und unbefleckt blieben, und zu uns kommen, als wir hoffen zu Gott.
Damit wißt ihr jetzt die ganze Summa, wie es um uns steht. Wir hätten gern den Bruder Hänsel eilentlich und bald wieder zu euch geschickt, nach eurem Bitten und Begehren, als wir's auch haben für notwendig erkannt. So ist aber das die Ursach' gewesen, wie ihr vor gehört habt, daß wir gleich eine Gemein versammelt haben und viel zu schaffen ist in dem Herrn, Tag und Nacht. Er ist wohl ein Tag oder zwei vor der Gemein kommen, aber die Brüder waren nicht vorhanden. Sie waren aus um die Geschwister, und ich konnte und möchte die Ursach' nicht schreiben. Für das andere ist auch die Ursach', daß der Bruder Hänsel fast müde war und sich fast hart müd' gangen ist. Ist aber kaum ein Tag hier gewesen, da ist er krank und ist ihm das Fieber ankommen, daß wir uns diesmal nicht trauen, ihn zu schicken; denn wir haben Sorg', er möcht' auf dem Wege erliegen. Wiewohl wir eine Hoffnung haben, es wird vielleicht bald besser. Sonst aber hat ihn Gott bald und glücklich zu uns geschickt, und hat uns bald funden, denn wir waren gleich beihändig.
Darum, herzlieben Geschwister, schicke ich euch jetzt in großer Eil' einen andern Bruder, als nämlich den Bruder Christl, sofern es aber Gott schickt und zuläßt und es sein väterlicher Will' ist. So hab' ich im Sinn und im Willen, gar bald und schnell den Hänsel oder einen anderen Bruder hin nachzuschicken und euch weiter kund zu tun und zu schreiben, was mir Gott gibt. Darum, meine herzallerliebsten Geschwister, seid getrost und gehabt euch wohl, und setzt euer Vertrauen und Hoffnung fest auf den allmächtigen Gott, denn er wird euch und die Seinigen, die ihn fürchten im Glauben und vertrauen, nicht verlassen. Er wird in dieser Not seine Kraft und Barmherzigkeit und seine Hilf' an euch erzeigen. Des bin ich gewiß und guter Zuversicht zu Gott, meinem Herrn.
Hebt auf, eure Häupter, ihr frommen christlichen Herzen, zu Gott eurem Herrn im Himmel, denn eure Erlösung nahet sich herzu mit großer Gewalt. Die Verwüstung und das Verderben aller Gottlosen geht auch daher. Darum fliehet und hütet euch vor den bösen Worten und Werken und vor der ganzen Welt, und laßt euch eures Lebens oder ihres Friedens nicht gelüsten, auf daß ihr nicht verdammt, vertilgt und grausam geplagt, gepeinigt, gemartert und verstoßen werdet von Gott dem Herrn hier und dort im Abgrund der Hölle. Denn der Gottlosen Sünd' und Schalkheit und große Ungerechtigkeit und Übermut ist gar so groß und überflüßig und hat so gar überhand genommen, daß sie hinauf steigt in den Himmel vor das Angesicht Gottes. Wie der heilige Johannes sagt, das Gott im Himmel nimmer mag erleiden und zusehen.
Darum spricht der heilige Geist: Flieht aus, flieht aus, mein Volk, spricht Gott der Herr, daß ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Plag'. O laßt euch nicht verführen oder abschrecken, laßt euch nicht abwenden oder abtreiben von der göttlichen Wahrheit, denn wer beharret bis ans Ende, der wird selig, und wer ritterlich kämpfet und streitet in aller Marter und Pein, in aller Trübsal und Versuchung mit großer Geduld, und den Herrn bekennt mit Lob und Preis vor allen Menschen, und Gott und seinem Volk dienet und gehorsam ist bis in den Tod, und also die ganze Welt, den Teufel und sein eigenes Fleisch, Leib und Leben überwindet, und hindurch kämpfet durch diesen zeitlichen Tod zu dem ewigen Leben, dem wird Gott aufsetzen eine schöne, herrliche Krön' die nimmermehr welk wird. Er wird sie auferwecken mit einem unsterblichen Leib, der da gleichförmig sein wird dem glorifizierten Leib unseres Herrn Jesu Christi, wie der heilige Paulus und Johannes sagt. Ja, Gott wird ihnen anlegen ein schönes glänzendes Kleid, daß die Auserwählten leuchten und scheinen wie die Sonne in ihres Vaters Reich, in dem neuen und ewigen Jerusalem und dem Thron der göttlichen Herrlichkeit. Wie die heiligen Propheten und Christus selber sagen: Gott wird abwaschen alle Zähren von ihrem Angesicht, und Gott wird alle Schmerzen wegnehmen, und wird ihnen geben große, herrliche und unaussprechliche Freud', die nimmermehr von ihnen soll genommen werden. Wie Christus und die heilige Schrift allenthalben sagt: Und daß sie traurig gewesen sein und viel Trübsal erlitten haben, wird ihnen Gott viel tausendfältig mehr Trost geben. Ja, alle, die mit Jerusalem, das ist, mit allen Kindern Gottes, Traurigkeit und Schmerzen gelitten haben, die werden empfangen und einnehmen ewige Ruh', Frieden und Freud' und unaussprechliche Herrlichkeit. Ja, die Auserwählten werden essen und trinken, und sich freuen und frohlocken und alle Fülle haben, daß sie ihrer Trübsal nimmer werden gedenken. So groß und herrlich wird die Freude der Auserwählten sein.
Die Gottlosen aber werden weinen und heulen vor Angst ihres Herzens, vor Schmerzen seufzen und klagen, in großer Marter und Pein, und werden Hunger und Durst leiden, auch großen Mangel. Sie werden verstoßen und zertreten werden wie Staub und Kot, und aus dem Land der Lebendigen und von Gott dem Herrn verstoßen und vertilgt, und zu der Höll' gekehrt werden, immer und ewiglich.
Wie die heiligen Propheten und Schrift sagt: Ihr Frommen aber, freut euch, und seid getrost, denn euer König und Herr, und euer Heiland, Christus Jesus, der Sohn Gottes vom Himmelreich, der wird bald kommen in den Wolken des Himmels, mit den Scharen vieler tausend Engel, mit großer Kraft und Herrlichkeit und wird sich rächen an seinen Feinden, und wird die Auserwählten und die Frommen erlösen, erledigen und erretten von ihren Feinden und Widersachern, aus aller Trübsal und Widerwärtigkeit, die um seines Namens willen verfolgt wurden und viel erlitten haben, ihm gedienet und ihn bekannt haben unter diesem argen Geschlecht, und ihm und seinem Volk gehorsam und treu gewesen sein bis in ihren Tod — die alle wird Gott der Herr auferwecken aus dem Staub der Erden, wo sie schlafen; die erwürget und entschlafen sein von Anfang der Welt, und wird sie mit ihm führen mit den Scharen aller himmlischen Heerscharen und mit allen Engeln in den Wolken des Himmels. Und werden alle mit dem Herrn hingenommen werden und verzückt in den Wolken des Himmels, und bei dem Herrn sein für und für, immer und ewiglich.
Und Gott wird ihnen geben ein ewig Königreich, und besitzen den Stuhl Davids, und ihres Königreiches wird kein Ende nimmer sein, sondern sie werden Ruhe, Frieden und Freud' haben und Gott loben und preisen und lobsingen in dem himmlischen und neuen Jerusalem. Und werden mit Gott und mit Christo Jesu und mit allen himmlischen Heeren leben und schweben, herrschen und regieren, immer und ewiglich, mit großer, unergründlicher und unaussprechlicher Freud' und Herrlichkeit.
Dazu helf' uns allen Gott der Vater durch Jesum Christum, und geleit' uns dahin durch seinen heiligen Namen und durch seine sehr große Barmherzigkeit. Darum tröstet euch mit diesen Worten untereinander und gehabt euch wohl, ihr frommen christlichen Herzen, denn Gott wird euch trösten, immer und ewiglich. Amen.
Zum letzten und zum Schluß befehle ich euch alle dem gnädigen und barmherzigen Gott, der sei mit, ob und bei euch, und schaff' euch Hilf' und Beistand in allen euren Nöten, und geb' euch Gnad', Stärke,. Lieb' und Glauben und große Geduld, und den Trost seines heiligen Geistes vom Himmel herab aus seinem gnädigen und göttlichen Schatz und erfülle eure Herzen damit. Und Gott selbst vom Himmelreich der sei euer Hauptmann, Schutz und Schirm, euer Schloß und feste Burg, festene, begnade und versorg' euch an Leib und an der Seel' mit all' seinen himmlischen Gütern; und auch mit irdischen, so viel euch nützlich, gut und vonnöten ist, nach unseres Herzens Wunsch und Begehren, und nach seiner Allmächtigkeit und Erkenntnis, nach seinem väterlichen Willen und nach seiner großen Barmherzigkeit, durch Jesum Christum. Das wünsch' und begehr' ich, und wir alle, von Herzen. Amen.
Ich bitt' euch auch, ihr Geliebten und Auserwählten alle miteinander, ihr wollt Gott dem Herrn mit dem allerhöchsten Fleiß Tag und Nacht für uns bitten, als wir auch für euch tun und fleißig tun wollen, als wir auch wissen und erkennen, daß ihr solches tut. Denn wir solches wohl spüren, sehen und merken und genugsamlich erfahren in allen Dingen, aber wir vermahnen euch, daß ihr nicht hinläßig werdet in solchem, sondern jelänger, jevölliger und fleißiger werdet, ihr frommen, gottseligen Diener und Knechte der heiligen Gemein Gottes, Hirten, Wächter und Aufseher, mitsamt allen Heiligen und Kindlein Gottes im Mährenland, wo ihr seid hin und her, verjagt und zu zerstreut in Elend und Armut, in viel Schmerzen und Herzeleid, und in großer Not und Zwang, keines nicht ausgenommen; alle heiligen Kinder Gottes, alle lieben Brüder und Schwestern hier bei uns, die ganze heilige Gemein Gottes, und wo sie sein hin und wieder, lassen euch alle vom Abgrunde ihres Herzens gar treulich und fleißig auf das allerhöchste grüßen, in heiliger, göttlicher, brüderlicher, ungefälschter und brennender Lieb'; mit dem heiligen, reinen Kuß unseres Herrn Jesu Christi, ein jeglicher in Sonderheit.
Die lieben Brüder Casper, Krenzler, Walser, Stoffl, Hänsel und ich, Jerenimus euer lieber Bruder, auch die lieben Schwestern Nändl und Klärl und meine eheliche Schwester Treindl, und das fromme, gottselige und auserwählte Hausgesind', dabei wir sein, und unsere größte Begehr' und Zuflucht zu haben. Deren Namen gebühret uns aus Ursach' nicht öffentlich zu schreiben. Und ich, Jakob, ein Diener und Apostel und euer getreuer und guter Freund durch Gottes Gnad' und Barmherzigkeit, ich grüße euch, ihr lieben Diener des Herrn und seines heiligen Volkes. Ihr frommen Hirten mitsamt euren frommen Brüdern und Schwestern, wo ihr seid, hin und her an allen Orten, keines ausgenommen, ein jeder in Sonderheit, in göttlicher, christlicher, heiliger, brüderlicher, ungefälschter, inbrünstiger Lieb' zu viel tausendmal gar hoch und fest und von meinem ganzen Herzen treulich und fleißig, und ich umfaß' euch mit den Armen meines Herzens treulich und fleißig und grüß' euch mit den gerechten Kuß meines Mundes und mit meiner eigenen Hand, ja, mit dem Kuß und heiligen Frieden unseres lieben Herrn Jesu Christi. Amen.
Mein Herz, Seel' und Geist sei allezeit mit euch und ihr mit mir, und wir alle mit Gott, und Gott mit uns allen, durch Jesum Christum und durch seine große Barmherzigkeit, immer und ewiglich. Amen.
O ihr herzliebsten Kinder Gottes, ihr unsere herzallerliebsten Brüder und Schwestern und Mitglieder an dem Leib Jesu Christi, wollte Gott, daß wir euch dienen und zu Hilf' kommen möchten in allen Dingen, in euren Nöten, und daß wir euch viel Lieb' und Treu', Zucht und Ehr' erzeigen und beweisen, und daß wir euch möchten behausen, beherbergen und aufnehmen in dem Herrn und euch möchten speisen und tränken, trösten und stärken. O, daß es Gott schicke vom Himmelreich. Wie wär uns das so eine große und herzliche Freud' und große Wollust unsern Herzen. O wie gar gern und willig und mit großen Freuden in göttlicher, heiliger Lieb' wollen wir solches tun und euch mit Willen, Leib und Leben, Gut und alles, was wir von Gott empfangen haben, himmlisches und zeitliches. Ja, wir wollten auch gerne viel und großes darum leiden und dulden, daß solches gescheh' und geschehen möchte; es käme und entstünde uns dadurch Marter und Pein und alle Trübsal, die man erdenken möcht', oder uns daraus entstünd' oder entstehen könnt oder möcht', so wollten wir's dennoch nicht unterlassen.
Nun, Gott schick's nach seinem göttlichen Willen zu seinem ewigen Lob und Preis. Dem seid von Herzen befohlen durch Jesum Christum. Amen.
(Gesendet aus Etschland durch den Bruder Christl Schmidt.)
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