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Die 4. Epistel von Jacob Hutter an die Gemein Gottes in Mähren

Hier zeigt er mit Danksagung Gottes sein Verlangen nach ihnen an, auch die Freud’, die er und die bei ihm sein, durch ihre Botschaft empfangen haben, mitsamt dem Trauern um derethalben, die die Wahrheit verlassen, und erzählt sein Mitleiden mit einer kurzen Ermahnung, dem Herrn treu zu sein; auch sein und anderer Wohlstand und wie sie in Gefährlichkeit der Schergen warten, in welchem das Volk täglich gemehret wird, meldet den Ausschluß ihrer Zweien, samt dem Gruß.

Jacob, ein unwürdiger Knecht und Diener des Herrn Jesu Christi, den Auserwählten, Heiligen und Kindlein Gottes in Mährenland, wo sie sein hin und wieder, verjagt und zerstreuet um der Zeugung Gottes und um seiner Wahrheit und Heiligen Namens willen, meinen Geliebten im Herrn.

Gnad’, Fried’ und ewige Barmherzigkeit und Huldschaft unseres Gottes im Himmel und sein heiliger Segen sei mit euch und mit allen Auserwählten durch Jesum Christum.  Ich lob’ und danke meinem Gott ohne Unterlaß, und bitt’ auch allezeit ernstlich mitsamt meinen Brüdern und Schwestern und Mitgliedern in dem Leibe Jesu Christi die bei mir sein, für euch.

Dann, ihr herzlieben Geschwister, eure Not, Trübsal, Elend und Armut erkennen wir fast wohl und betrachten’s ohne Unterlaß mit Schmerzen in unseren Herzen.  Ja, Gott weiß es vom Himmel, daß ich und wir alle solches mit euch tragen, mit euch leiden und von Herzen gefestigt werden.  Aber Gott vom Himmel, der Vater aller Gnaden und Barmherzigkeit, der gerechte Richter aller Witwen und Waisen, der Trost aller Frommen, betrübten und christlichen Herzen, der wolle euch und uns Beistand tun in allen unsern Nöten; und woll’ uns beschirmen und beschützen, erlösen aus aller Trübsal und uns ein gnädiges Auskommen machen, und uns trösten und erquicken in unserm Elend.  Demselbigen Gott und Herrn, dem Vater und Schöpfer aller Barmherzigkeit und Gnaden sei Lob, Ehr’ und Preis gesagt im Himmel dort oben, für euch und für uns und für alle Heiligen, durch Jesum Christum, immer und ewiglich.  Amen.

Ihr allerliebsten Brüder und Schwestern in dem Herrn, ich habe vorhin zu euch geschicket unsern lieben Bruder Michl, welchen wir haben abgefertigt mit ernstlichem Bitten und Schreien, daß Gott ihn mit Glück und Heil zu euch schicken möge und seinen Weg verfertige, auf daß ihr von uns getröstet werdet in eurem Elend.  Wir haben auch gebetet und geschrieen zu unserm allmächtigen Gott, daß wir von euch möchten eine gnädige Botschaft empfangen, nach welcher uns von Herzen verlangt hat mit viel Sehnen und manchen großen Schmerzen.  Und bei diesem Bruder Michl hab’ ich euch alle Ursach’ geschrieben und kund getan, wie es um uns hier und allenthalben steht.

Nun haben wir das Vertrauen und die Hoffnung zu dem lebendigen Gott, zu unserm herzallerliebsten Vater, er habe diesen unseren Bruder zu euch geleitet, geschickt geführet durch seinen heiligen Engel, und ihr habt diese Botschaft von uns gehört und empfangen.  Der Hoffnung sein wir zum Herrn.

Nun, was sich weiter begeben hat, will ich euch aufs kürzeste erzählen und anzeigen und euch abermals zu kund tun.  Darzu zwingt mich Gottes Lieb’ und Geist nämlich also.

Alsbald wir den Bruder haben abgefertigt, ist bald danach ein lieber Bruder von euch kommen, der uns von euch Botschaft gebracht hat, und uns anzeigt ist worden, schriftlich und mündlich, wie es um euch steht.  Denselbigen haben wir mit großen Freuden angenommen und mit großem Dank empfangen, als unsern lieben Bruder von Gott und von euch uns zugeschickt und gesendet.

Nun, ihr herzlieben Brüder und ihr Kinder des lebendigen Gottes, wir sein durch eure Botschaft herzlich wohl getröstet worden.  Wir haben auch eure Botschaft und alle Dinge gar fleißig und treulich mit dem allerhöchsten Ernst hin und wieder hier bei uns, eure Frömmigkeit und Beständigkeit, euren großen Gehorsam und Geduld und euren heiligen, christlichen und tugendhaftigen Wandel, und die Redlichkeit, Ritterschaft und das männliche Streiten und Kämpfen der Märtyrer und Zeugen Gottes, die bei euch erfunden worden sein; die in aller Marter und Pein beständig blieben sein, und den Herrn und die Wahrheit ritterlich bekannt und dafür gestritten bis in den Tod.  Wir können und mögen Gott dem Herrn nicht genugsam Lob und Dank sagen für solches alles und mögen seinen Namen nicht hoch genug preisen und ehren.

Ja, viele fromme und christliche Herzen und wir allhie sind gar herzlich getröstet, erquickt und gestärkt worden und haben Zuversicht genommen zu dem Herrn durch diese Botschaft.

O wie gar herziglich eifert und verlangt unsern Herzen mit großem Sehnen und Seufzen und göttlichem Eifer, daß wir diesem gleichförmig möchten werden, denn sie haben uns eine große Ursach’ und Beispiel hinterlassen.  Gott helf’ uns auch dahin durch seinen allerliebsten Sohn Jesum Christum, welchem sei abermals Preis und Ehr’ und von Herzen Lob gesagt in seinem höchsten Himmel dort oben, immer und ewiglich.  Amen.

Wiederum haben wir auch Traurigkeit und große Schmerzen empfangen, und viel Leid, aber doch göttliche Traurigkeit, darum, daß wir sehen die große Unbilligkeit und große Ungerechtigkeit, sogar überflüßig und allenthalben hat überhand genommen; für das andere, daß auch viele aus denen, die sich Gott ergeben haben und unsere Brüder und Schwestern gewesen sind, durch solche Ungerechtigkeit, Verfolgung und Verführung, die da ist in der Welt, wiederum abweichen und gottlos und bundbrüchig werden an dem Herrn und am heiligen Volk; und sehen wiederum hinter sich und vereinigen sich wiederum mit dem Teufel und mit der Welt und werden Feinde Gottes und seiner Kinder.  O weh und ach solchen Menschen.  Wie gar ein erschrecklich und grausame Plag’ und ein rauhes Urteil und schwere Straf’ werden solche von Gott empfangen.  Es wär’ ihnen freilich wohl besser, sie hätten die Wahrheit nie erkannt.

Wiewohl dieselbigen auch eine große Straf’, Pein und Marter von Gott werden empfangen.  Es sind uns etliche angezeigt worden, die von euch abgefallen und ausgeschlossen sein, wiewohl uns solches nicht kränket oder schwächt, und soll uns, wenn Gott will, nicht ärgern oder schaden.  Denn wir wissen, daß solche leichtfertigen Herzen und Seelen durch Trübsal und Verfolgung und durch alle falschen Propheten und durch allen List und Betrug des Teufels und Satans von den Frommen und Gerechten müssen abgeschieden und abgesondert werden, wie die Spreu durch den Wind vom Weizen, und der Kot durch das Feuer von dem Silber und Gold abgeschieden wird.

Ja, die heiligen Propheten und Christus Jesus, der Sohn Gottes und seine heiligen Apostel haben uns solches genug gesagt und angezeigt, daß viele werden abweichen von dem Kreuz Jesu Christi und durch die falschen Propheten viele verführt und abtrünnig werden, den Herrn und seine Wahrheit und seine Gerechtigkeit und sein heiliges Volk hassen und verlassen.  Es ist auch also ergangen zu der Zeit der heiligen Propheten, zu der Zeit Christi und zu der Zeit seiner heiligen Apostel.

Darum soll uns solches nicht schaden oder schwächen oder ärgern, und soll uns nicht scheiden von der Liebe, dieweil wir solches vorhin genug wissen und uns solches genug ist angezeigt durch die Heiligen Gottes.  Wie aber steht: wir wollen sehen auf die Frommen und Gerechten, auf die gottesfürchtigen, gehorsamen und heiligen Kindlein Gottes, die da beständig bleiben bis an ihr End’.  Und ob ihr gleich fast wenig seid, so sollen wir dennoch nicht sehen auf die Bösen und Gottlosen und Ungerechten und abfallen, und ob ihrer gleich ohne Zahl unaussprechlich viel sein.

Denn ein Mensch, der fromm und gerecht ist, vor Gott in der Wahrheit lebt und wandelt und darinnen besteht und verharret bis an sein End’, und ritterlich streitet für die Wahrheit und den Herrn treulich bekennt in Marter, Pein und aller Versuchung, der dem Herrn und seinem Volk treu ist in allen Dingen, der gilt mehr vor Gott, denn viel hunderttausend gottlose und abtrünnige Menschen.  Der soll auch in unsern Herzen viel gelten und groß geachtet sein.  Auf den wollen wir sehen und solchen nachfolgen, und bei dem Herrn und bei denen, die da sein des Herrn, und die da haben Gottes Geist und das lebendige Wort das ewigen Lebens und den Namen Gottes tragen in ihren Herzen — bei denen wollen wir bleiben und verharren.  Wie der heilige und fromme Petrus sagt: und ob gleich ohne Maß und Zahl viele abweichen und abtreten und nicht mehr mit dem Herrn wandeln.

Ich hab’ auch solche Menschen, die uns jetzt sein angezeigt als abtrünnig und ausgeschlossen.  Gott wolle uns behüten und bewahren, daß uns solches nicht auch widerfahre und daß wir fallen in ihr Exempel und in ihre Strick’, damit sie von dem Teufel gebunden sein, und wir ihnen nicht gleichförmig werden.

Gott gebe und behüte uns, daß solches nicht will bei uns erfunden werden, und uns solches nicht weiter widerfahre.  O Gott vom Himmel, behüte, die dich fürchten und suchen.  Wir wollen aber, herzlieben Brüder und Schwestern, gottesfürchtiger und gewächtiger sein im Herrn und Sorge tragen für unsere anklebliche Sünd’ und angeborene Schwachheit.

Wie der heilige David sagt: auf daß wir die Sünd’ nicht lassen herrschen in unserem sterblichen Leib, und nicht mehr gehorsam sein der Sünde oder dem Teufel, und unsere Glieder nicht mehr brauchen als Waffen der Ungerechtigkeit oder zu einer Sünd.  Wir wollen auch desto fleißiger sein, Gott zu lieben und seine Kindlein, und Gott von ganzem Herzen vor Augen haben in allen Dingen, und Gott dem Herrn und seinem Volk gehorsam und untertänig sein, zu allen guten Werken geschickt und bereit; das haben wir im Sinn und soll auch unser Vornehmen sein, aber Gott vom Himmelreich, der Vater aller Gnad’ und Barmherzigkeit, der wolle solches in uns vollbringen und vollenden zu Lob seinem heiligen Namen, durch sein Jesum Christum.  Amen.

Zum dritten Mal tragen wir auch Traurigkeit und Schmerzen und aus göttlicher Liebe großes herzliches Mitleiden, darum, daß wir sehen und hören, und in der Wahrheit wirken und erkennen eure große Trübsal und Verfolgung, eure Schmerzen und Herzeleid, euer Elend und Armut; darum mein und unser aller Herz noch für und für ohne Unterlaß fast und hoch betrübt und beschwert und voller Schmerzen und Traurigkeit ist; und meine Schmerzen und Herzeleid hören nicht auf und hat noch kein Ende, wie ich euch vorher geschrieben habe.  Ja, mein Herz weinet und trauert ohne Unterlaß um euch; des ist Gott vom Himmel mein Zeuge, der mich weiß und kennt, und aller Menschen Herzen und alle Heimlichkeit und alle Dinge sind ihm offenbar.

Ja, mit großen Schmerzen und Traurigkeit schreibe ich euch abermal, und mit herzlichen Ängsten meines Gemüts, mit naßen und weinenden Augen, als meinen herzlieben Kindlein in dem Herrn.  Gott wolle mich und euch und uns alle miteinander trösten durch sein Kind Jesum Christum, und durch seinen gnadenreichen heiligen Geist und wolle uns zu Hilf’ kommen in unseren Nöten und Elend, und wolle uns Beistand tun und ihm lassen befohlen sein, hier und dort, immer und ewiglich.  Amen.

Weiter, ihr herzallerliebsten Brüder und Schwestern, vermahn’ und bitt’ ich euch, daß ihr wollt getrost und gestärket sein in der gegenwärtigen Wahrheit, die ihr jetztund und allezeit gehört habt, und zweifelt und wanket nicht, und werdet nicht kleinmütig, denn das ist der rechte Weg und die göttliche Wahrheit, das bezeuget und beweist ist durch die heilige Schrift.  Und in diesen und in andern Ländern ihr Blut darum vergossen haben, und die Welt, und alles, was in ihr sichtbar ist, verlassen; und ihr seid das auserwählte Geschlecht des himmlischen Priestertuns, des heiligen Volkes, des Volks des Eigentums Gottes.  Ihr seid die Gemein der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind.  Ihr seid auch Mitgenossen und Kinder des lebendigen Gottes und Gott hat ein herzliches Wohlgefallen an euch, als ein frommer Vater an seinen gar lieben Kindlein.  Darum sollt ihr nicht zweifeln, denn Gott im Himmel, der hat euch solches lassen versiegeln und beweisen, bei euch un
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Mährenland, mit großer Marter und Pein, durch fromme Ritter, und hat’s lassen bezeugen und versiegeln mit ihrem Blut, welches dem Herrn und uns eine große Ehr’ ist.  Und soll uns auch ein schöner Ruhm sein und ein Freudenkranz und ein lieblicher Trost und Stärke von Gott.

Darum, ob euch und uns schon viele verdammen und verurteilen, laßt euch nicht erschrecken.  Ihr Schmähen, Schänden und Verdammen nicht schaden oder kümmern.  Dieweil Gott der Vater mit uns ist und spricht uns selig und fromm.  Darum seid getrost und gehabt euch wohl, denn Gott hat ein gnädiges und barmherziges Aufsehen auf euch und auf uns.  Ihm sei abermals Lob, Ehr’ und Preis gesagt in dem Thron seiner Herrlichkeit dort oben, durch Jesum Christum seinen geliebten Sohn, von uns und von allen heiligen Heerscharen.  Immer und ewiglich.  Amen.

Weiter, ihr herzlieben Kindlein Gottes, laß’ ich euch wissen, wie es hier um uns steht.  Nämlich, welches ich auch ans göttlicher Lieb’ nicht verhalten kann: die Kinder des Herrn, die hier sein, unsere lieben Brüder und Schwestern, die grünen und wachsen in göttlicher Gerechtigkeit und Wahrheit wie die schönen, lieblichen und wohlriechenden Blumen; und wie ein schöner Garten grünet von einem lieblichen Mairegen, also grünen und wachsen sie auch vor Gott vor Gottesfurcht, und Gotteslieb’ und Frieden.  Wie der heilige Prophet Jesaja und auch der heilige David sagt: ihre Herzen brennen von dem Feuer der göttlichen Liebe, ihre Herzen sind erleuchtet und angezünd’t von dem ewigen Licht und Feuer Gottes.  Des ich meinem Gott nicht genugsam Lob, Ehr’ und Dank sagen kann oder mag; denn mein Herz freuet sich ihrer vor Gott in der Wahrheit und springet mir vor großer Freude in meinem Leib.  Ja, wenn ich sie höre und gedenke an ihre Lieb’ und Treue, an ihre
Frömmigkeit und Gehorsam, die sie von Gott empfangen haben.  O wie reichlich und gar wohl hat sie der allmächtige Gott begnadet, wie wohl sie alle fast sehr ring sein im Herrn und ihnen noch gar wenig Gottes Wort gepredigt wurde.  Aber sie haben von Herzen wohl angefangen im Herrn.  Gott wolle es auch vollenden, denn mein Herz und Seel’ hat große Lust und Wohlgefallen an ihnen.  Darum sie billig ein Lustgarten des Herrn und ein Paradies Gottes gennannt werden, wie die heilige Schrift sagt.  Darum sag ich auch Gott von Herzen Lob, Ehr’ und Dank, und sein heiliger Name sei abermals gepreist und erhöht, durch Jesum Christum, immer und ewiglich.  Amen.

Ich bitt’ und wünsch’ auch von Gott, daß Gott vom Himmel selbst seinen Garten wolle wässern und begießen vom Himmel herab mit einem gnädigen Regen, mit dem Trost seines heiligen Geistes und mit dem Öl der Barmherzigkeit.  Damit wolle Gott unser und aller Kinder Gottes Herzen salben und überschütten, und seinen Garten segnen mit seinem himmlischen und gnädigen Segen, auf daß er fruchtbar werde mit allen guten Werken.  Welcher Garten ist die Gemein des lebendigen Gottes.  Gott wolle auch diesen Garten umzäunen und vermauern, behüten und beschirmen vor allen wilden Tieren.  Er wolle ihn auch behüten vor allem bösen Ungewitter und vor dem bösen Mehltau, ans daß die Frucht zeitig werde; denn jetztund blühet der Lustgarten des Herrn.  Gott vom Himmel wolle selbst hüten und wachen über diesen Garten, auf daß die Frucht zeitig und wohl reif, ganz und gar süß und vollkommen werde.

Weiter tu ich euch zu wissen und kund, daß wir nicht mehr heimlich und verborgen hier sind, sondern die gottlosen Menschen wissen uns fast feindlich und ist ein groß’ Geschrei von uns, denn die gottlosen diebischen Pfaffen, die Wächter und Boten des Teufels, die grausamen Höllenhund’, die schreien schon auf den Kanzeln von uns und warnen das Volk und sagen, wir seien im Land und auf den Bergen, und gebieten, zu ihrem Gottesdienst und verfluchten Götzen und Sakramenten zu gehen.

Denn die heilige Stadt, die auf dem heiligen Berg Zion erbaut ist, mag nicht verborgen sein, und das Licht leuchtet und scheinet und ist nicht verdecket, sondern brennt und leuchtet hell wie ein Licht in der Finsternis; und das sind die lebendigen Kinder Gottes.  Denn Gott hat sein Licht in ihnen angezündet, denn es ist nichts Heimliches oder Verborgenes, das man nicht wissen werde, oder daß es nicht geoffenbaret werde.

Wie Christus sagt: sie drohen auch mit Richtern, Schergen und Henkern, das gottlos’ Sadamitische Meer tobt und wütet und hebt an zu röhren.  Ich fürchte wohl, es wird keine Ruhe haben oder aufhören, bis der fromme Jona wird hinein geworfen, bis der grausame Walfisch ihn verschluckt, welches ist der grausame Tyrann, und Feind der göttlichen Wahrheit — Ferdinandus mit all’ seinem Anhang und der verfluchte Papst mitsamt allen seinen Höllenhunden.  Aber Gott wird diesem Meer gebieten, die Seinigen wiederzugeben, und sie werden aus dem Bauch der Erde und von der Gewalt der gottlosen Menschen wiederum erlöset und erledigt mit dem frommen Jona.  Und werden aufstehn mit Christo Jesu mit großer Kraft und Herrlichkeit Gottes zu der ewigen Freud’ und Herrlichkeit.  Das gebe Gott und helf’ uns allen.  Amen.

Herzliebe Brüder und Schwestern, wir warten nun täglich alle Stund’ und Augenblick’ der Richter, Schergen und Henkersknecht’ und aller Trübsal.  Wir haben uns auch dahin gericht’t und ergeben und setzen uns nicht anders für.  Der Herr gebe uns Kraft und Stärk, Lieb’ und Glauben und Beständigkeit, in seiner göttlichen Wahrheit zu bleiben und zu verharren bis an unser Ende die Wahrheit zu bekennen und dafür zu streiten bis in unsern Tod.  Wir wollten ja euch und allen Frommen gern Ursach’ und ein gutes Exempel und Beispiel geben und hinter uns lassen, Gott dem Herrn zu folgen und zu dienen.  Einen guten Spiegel, Redlichkeit und Frömmigkeit und ein gutes Lob der Männlichkeit wollten wir allen Menschen gerne geben und hinter uns lassen.  Dahin ringen, Kämpfen und streiten wir auch.  Gott im Himmel wolle solches Vornehmen und Begehren uns erstatten, erfüllen und vollführen und bis ans End’ vollenden, durch Jesum Christum.  Amen.

Weiter, herzliebe Geschwister, laß’ ich euch wissen, daß der Herr noch täglich herzu tut zu seiner heiligen und christlichen Gemein, die da selig werden.  Und die Ernte ist fast reif und die Arbeit groß, aber der frommen, treuen Arbeiter sein fast wenig.  Darum denn wohl vonnöten ist, wie Christus sagt, den Herrn der Ernte mit dem allerhöchsten Fleiß um Arbeiter zu bitten und in seinen Weinberg zu rufen.  Viele, von denen man uns gesagt hat, die gutherzig sein und nach der Wahrheit fragen, die sein gar zunichten; viele aber, von denen wir nichts gewußt haben, werden offenbar und fromm und kommen herzu.  Es erwecket ein Kind Gottes das andere, und wird also eines durch das andere offen und zu Gott gebracht.

Wir hatten viel zu schaffen und zu wirken mit den Geschwistern, mit denen, die nach Gott fragen, auch mit Kindern, in Summa, in allen Dingen.  Wir können es aber nicht alles auf einmal richten.  Es muß etliches noch gehen, aber soviel wir vermögen, und soviel es an uns ist, wollen wir unsern Fleiß nicht sparen.  Es wäre Not, daß wir an allen Orten wären, hin und wieder.  Die Not und die große Arbeit liegt schwerlich auf uns.  Darum, herzliebe Geschwister, ich hätt’ euch gern mehr geschrieben, aber ich hab’ nicht Weil’ und Zeit dazu, und tu euch in der großen Eil’ das zu kund und zu wissen, was jetztund geschrieben ist.  Darum, herzliebe Geschwister, gedenket unser treulich vor Gott in allen Dingen.

Weiter, ihr herzlieben Geschwister, tu ich euch kund und zu wissen, von wegen des Martin Nigers und Christl Phüllers, die von Gott und seinem Volk ausgeschlossen und abtrünnig sind, wie ihr wisset.  Sie sind heroben zu Sterzing.  Sie sein grausame, gottlose Teufel und greuliche, arge Buben.  Sie sind zu Innsbruck vor dem Regiment gewesen, und alles was sie nur wissen, das verraten und zeigen sie an.  Und viel grausame Lügen und Unwahrheit haben sie gered’t, und noch immer für und für.  Sie sein Gottschänder und Gotteslästerer der göttlichen Wahrheit und Kinder des Teufels.

Es wäre von ihren Lastern und Sünden, die sie tun, noch viel zu sagen, aber ich will den Dienern noch weiter davon schreiben aus Ursach’.  Doch zeig’ ich euch solches darum an auf das kürzeste.  Sie haben im Sinn, in kurzen Tagen hinabzukommen, und die haben nichts Gutes, sondern nur eitel Schalkheit im Sinn, und ihr Vernehmen ist sehr bös’.  Und die Gottlosen wollen sie auch zum Teil schicken.  So glaubt und vertraut ihnen nicht.  Hütet euch und seht euch wohl vor ihnen vor.  Denn sie werden kommen als die Diebe und Mörder, die zu rauben, stehlen, betrügen und morden geschickt sind.  Darum hütet euch.

Zum letzten und zum Schluß befehle ich euch Gott, dem Allmächtigen, unter seinen gewaltigen Schutz und Schirm und dem Wort seiner Gnaden.  Der tröste und stärke euch und steh’ euch bei in allen Dingen, und sei mit euch durch unsern Herrn Jesum Christum, hier und dort, immer und ewiglich.  Amen.

Ihr herzallerliebsten Kindlein des lebendigen Gottes, alle Heiligen und Kindlein Gottes, die hier sein, die ganze Gemein Gottes lassen euch alle miteinander gar treulich und gar fleißig von ganzem Abgrund ihres Herzens treulich grüßen, in göttlicher, feuriger, brüderlicher und christlicher Lieb’, zu viel tausendmal mit dem Frieden des Herrn und mit dem heiligen Kuß unseres lieben Herrn Jesu Christi, und es verlanget sie treulich nach euch allen und wollten euer Angesicht gerne sehen und in der Liebe Gottes.

Und ich, Jacob, ein Diener und Apostel und euer lieber Bruder und Freund in dem Herrn, als ich acht’, und mein’, ich sei euch lieb; ich grüß euch auch mit meiner eigenen Hand in göttlicher, heiliger und ungefälschter, brüderlicher Lieb’ zu viel tausendmal, ein jedes in Sonderheit mit dem gerechten Kuß Jesu Christi.  Und ich umfasse euch mit den Armen des Herzens und Gemüt, und ich grüß’ euch auch für und für ohne Unterlaß durch Gottes Lieb’ und Geist.  Der Herr und Gottes Lieb’ und Geist und Fried’ und mein Herz, Seel’ und Geist sei allezeit mit euch ewiglich, Jesum Christum.  Amen.

Von mir, Jacob, euer Diener und unwürdiger Knecht und Apostel des Herrn und seiner Kinder, euer getreuer Bruder und Freund im Herrn.

(Gesendet aus der Grafschaft Tirol durch Wals’l Zimmermann, anno Domino 1536.)

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