Die 5. Epistel von Jacob Hutter
an die Gemein Gottes in Mähren
Den Auserwählten, Heiligen und Kindern Gottes, den lieben Gästen, Fremdlingen und Pilgrimmen des Herrn, unsern herzlieben Brüdern und Schwestern, wo sie sein im ganzen Mährenland allenthalben hin und wieder, verjagt und zerstreut, in Elend und in Armut und in manch’ großer Trübsal - soll dieser Brief zu Handen.
Jacob, ein Knecht Gottes und Apostel Jesu Christi und ein Diener aller seiner Heiligen hin und wieder und allenthalben, oben und unten, und in allen Ländern, aus großer Gnad’ und Barmherzigkeit Gottes, der mich dazu berufen, erwählt und tauglich gemacht hat; aus seiuer Gnad’ und grundlosen Barmherzigkeit, ohne allen meinen Verdienst, sondern allein aus seiner überschwenglichen Treu und Gütigkeit, der mich treu geschützt hat und gut nnd würdig gemacht, zu sein ein Diener des ewigen und neuen Testaments; das Gott augericht’ und gemacht hat mit Abraham und seinem Samen ewiglich, und hat mir vertraut sein ewiges göttliches Wort in mein Herz und in meinen Mund, und die himmlischen Schätze und Güter seiner Gottheit, die da verborgen liegen im Tabornakel und in den Archen des ewigen und unsichtbaren Gottes im Himel oben, der da ist ein Herr und ein König über alle Könige, der hat mich gesegnet mit seinem ewigen und himmlischen Segen, und sein göttliches, ewiges W
ort in
mir und in vielen, denen er’s durch mich hat verkündigen lassen, lebendig und tätig gemacht, und hat dem Zeugnis geben, durch Austeilung und Mitwirkung des Heilgen Geistes, mit allerlei kräftigen Wundern und Zeichen. Er hat mich gesetzt zu einem Wächter, Hirten und Pfleger über sein heiliges Volk und über seiner auserwählte heilige, christliche Gemein, welches ist die Braut und Gespann der Lieb’ und selige Gemahl unseres lieben Herrn Jesu Christi, welche er sich erkauft, gereinigt und gewaschen hat durch sein teures und heiliges Blut. Und hat mir geschenkt viel fromme, heilige, christliche Herzen und noch immer, für und für.
An diesem allem miteinander und um solches alles sei Gott der Vater vom Himmelreich, der König und Herr, der Schöpfer aller Dinger allem gepreist, gelobt, geehret und gerühmt, gebenedeiet und erhöht, und ihm sei von ganzem Abgrund meines Herzens Lob und Dank gesagt in seiner königlichen Majestet, von mir und allen Heiligen und von allen himmlischen Heerscharen, durch Jesum Christum, immer und ewiglich. Amen.
Den auserwählten Berufenen und Heiligen, den Streitern und Zeugen Gottes, und unseres lieben Herrn Jesu Christi, meinen herzallerliebsten Brüdern und Schwestern, und meinen gewünschten und auserwählten Kindlein, die ich geboren und gepflanzt hab’ durch Gottes Wort, Gnad’ und Gab’ vom Himmel herab, mit viel Müh’ und Arbeit und in mancher großen Trübsal, wo sie sind, im Mährenland und allenthalben hin und wieder, verjagt und zerstreut, in Elend und in Armut, in Trübsal, in Angst und in Not, und in viel Schmerzen und großer Verfolgung, und in viel mannigfaltiger Versuchung, die ihr leidet um des Herrn Willen — denen allen wünsch’ ich miteinander vom Abgrund meines Herzens Gnad’, Fried’ und ewige Barmherzigkeit von dem allmächtigen Gott, und viel Lieb’ und Glauben, Siegeskraft und Überwindung, und Gott vom Himmel tröst’ und stärk’ euch, und speis’ und tränk euch, und versorge euch an Leib, Seele und Geist mit himmlischen und zeitlichen Güt
ern.
Und Gott tu euch Hilf’ und Beistand, und sei mit und bei euch, und laß euch ihm befohlen sein, durch seinen lieben Sohn Jesum Christum in alle Ewigkeit. Amen.
Ihr lieben und auserwählten Kinder des lebendigen Gottes, wir haben nun gehört und wissen von eurer Trübsal und Verfolgung, eurem Elend und Versuchung, das ihr leidet um des Herrn willen. Solches wissen wir zum guten Teil, wiewohl, was sich seither zugetragen, wissen wir nicht. Wir betrachten solches wohl und fleißig in unsern Herzen ohne Unterlaß, und eure Trübsal und Leiden trifft uns gänzlich, und wir tragen und leiden treulich mit euch, zu dem, daß auch wir hier sonst leiden und erdulden um des Herrn willen. Und wir gedenken euer ohne Unterlaß gegen Gott und allen Heiligen mit ernstlichem Bitten und Schreien, denn ihr seid in unseren Herzen gewachsen und eingepflanzt, und seit uns ein lebendiger Brief in unsere Herzen geschrieben durch Gottes Lieb’ und Geist, der allezeit, ohne Unterlaß, für und für gelesen wird.
Ihr Lieben und Auserwählten, ich habe vorhin dem lieben Bruder Christl und euch geschrieben und kund getan, wie es um uns hier steht, und euch getröstet, so viel mir Gott geben hat. Nun bin ich der Hoffnung und Vertrauung zu Gott, dieselbige Botschaft sei euch worden.
Nun aber wollt’ ich auch gern den lieben Bruder Hans eilend und schnell zu euch geschickt haben nach eurem Bitten und Begehren, welches er auch von Herzen gerne getan hat, aus göttlicher Lieb’, die er und wir zu euch tragen. Aber nun mag es nicht sein, denn er ist krank und ich kann und mag ihn auch diesmal nicht nutzen, wiewohl ich seiner und anderer zu großer Not bedarf. Denn die Not ist hier auch groß, als ihr wohl hören werdet. Nun aber kann und mag ich aus göttlicher Lieb’, die ich zu euch trage, es doch nicht unterlassen, zu euch zu schicken in dieser Not den Bruder Jeronimum, und wollen ja lieber noch selbst großen Mangel leiden, auf daß nur euer Mangel erstattet werde.
O Gott vom Himmel, daß wir euren Mangel nach unseres Herzens Wunsch möchten erstatten und daß wir unsern Herzen möchten genug tun. O daß es Gott wollt’ vom Himmelreich, daß wir unsere Lieb’ und Freud’ gegen euch möchten erstatten, und daß wir unser herzlich Begehren möchten erfüllen, daß wir euch möchten aufnehmen und euch dienen und euch hilflich sein möchten in eurer Not. Daß wir euch möchten behausen und beherbergen, speisen und tränken, und euch möchten Lieb’ und Treu’, Zucht, und Ehr’ erzeigen und beweisen, und daß wir euch könnten und möchten dienen, ja, mit himmlischen und zeitlichen Gütern. Wie wär’ uns das so gar eine herzliche, große Freud’ in dem heiligen Geist. Keine größere Freud’ möchten wir nicht haben.
Herwiederum ist uns das auch der größte Schmerz, daß wir eures Angesichts jetzt müssen beraubt sein, und wir solches euch nicht tun können und mögen. O wie gar gern wollten wir Mangel und Armut leiden, und Trübsal und Schmerzen in unserem Fleisch, ja, Marter und Pein, und in Summa, gar den Tod, daß wir mit euch selbst gegenwärtig solche Gemeinschaft haben möchten, und euch solche Dienstbarkeit, Lieb’ und Treu’ und alle Zucht und Ehr’ möchten erzeigen und beweisen: denn unser Seel’ und Herz ist ganz und gar aufgetan gegen euch und steht gegen euch offen.
O ihr frommen Kinder des lebendigen Gottes, wie gar übel und sehr bekümmert mich euer Elend, wie gar herzlich erbarmt es mich in eurer Trübsal und Versuchung, daß ihr leidet um des Herrn willen; aber seid getrost, ihr frommen, christlichen Herzen, und bedenket und betrachtet’s wohl, daß es allen Propheten und Christo dem Herrn, und allen seinen Aposteln, und in Summa, allen Heiligen von Anfang der Welt also ergangen ist, und allen denen, die der Herr geliebt hat.
Solches aber ist euch genug und manches Mal ohne Unterlaß worden. Es hat uns und euch der Herr genug lassen anzeigen und verkündigen, daß es allen Heiligen und auserwählten Liebhabern seiner göttlichen Wahrheit also ergeht und also ergehen wird bis an den jüngsten Tag, wie uns die Schrift genugsamlich Zeugnis gibt und anzeigt an allen Orten. Gedenket und betrachtet auch, daß ich euch solches oft und viel gesagt und angezeigt hab’, und auch solches verkündigt und gered’t, dieweil ich noch bei euch gewesen bin. Ehe solches nie geschehen ist, denn es wollten etliche die Lieb’ und Gütigkeit, auch Barmherzigkeit des Herrn, nicht erkennen, so muß ihnen Gott es durch Trübsal und durch Schmerzen zu erkennen geben. Es wollten etliche dem Herrn nicht dankbar sein, welcher viele schon ausgereiht und zu Schanden worden sein. Uns aber, und allen denen, die Gott lieben und fürchten, will Gott den Reichtum seiner Barmherzigkeit und seinen väterlichen Willen besser of
fenbaren
und zu erkennen geben durch solche Not und Trübsal, auf daß wir seiner nicht vergessen und ihm nicht etwa möchten undankbar werden. Und auf daß wir nicht schläfrig oder hinläßig werden im Dienst Gottes, damit uns nicht die Sünde oder unser Fleisch beherrsche und überhand nehme, damit wir uns nicht mit der Welt und mit den irdischen Kreaturen tun beflecken und uns darin belustigen, sondern daß unser Fleisch gereinigt und getötet werde mitsamt allen seinen Lüsten und Begierden, und daß unser inwendiger Mensch wachse und zunehme, damit uns Gott und sein heiliger Geist beherrsche, leite und führe und weise in alle Wahrheit und Gerechtigkeit; damit wir Gott den Herrn und seine Barmherzigkeit mögen völliger erkennen, und ihn loben, ehren und preisen und von Herzen dienen mit Furcht und Zittern. Damit wir wachsen, grünen und zunehmen in Lieb’ und Glauben und in aller Gottseligkeit, und in aller Gerechtigkeit und Wahrheit, zu der Vollkommenheit, die Gott verheiß
en hat
den Seinigen. Damit wir nicht würden ein dürer, unfruchtbarer Baum und wir mit höllischem Feuer ewiglich verbrannt würden, sondern daß wir werden ein guter, grüner, und lieblicher Ölbaum des Herrn, daß wir dem Herrn gute Frucht bringen und daß wir die Zeit, die wir noch zu leben haben, nimmer unnütz’ verzehren, sondern daß wir Gott dienen und allen seinen Heiligen, und gehorsam sein unser Leben lang, und nicht mehr das tun, was unser Fleisch gerne will und gern hat.
Darum züchtiget uns der Herr als seine lieben Kindlein, wie denn der heilige Petrus schreibt: Wer am Fleisch leidet, der höret auf mit Sündigen, auf daß er fürhin die Zeit, die er noch zu leben hat im Fleisch, nicht mehr der Welt und seinem eigenen Fleisch diene, und nicht mehr der Sünde lebe, und nicht mehr das tue, was er will. Wie Paulus sagt: Daß er Gott lebe, und sein Leben, die Zeit seiner Pilgerfahrt verzehre zu Gottes Lob und Preis, daß er Gott und seinen Kindern gehorsfam sei.
Darum macht uns Gott frei und reinigt uns von der Welt und von allen Kreaturen durch solche Trübsal, damit unser Herz davon abgewandt würde. Auf daß wir unser ganzes Vertrauen allein auf den Herrn setzen und alle unsere Hoffnung und Zuversicht zu ihm haben, und uns auf ihn vertrösten und verlassen, auf daß wir unsere Freud’ und unsere Lust allein in dem Herrn haben, in seinem ewigen Wort und heiligen Gesetz, und wir damit umgehen Tag und Nacht, auf daß wir allein den Herrn vom Himmelreich und alle seine Kindlein von ganzem Abgrund unseres Herzens und mit allen Kräften und Vermögen lieben, und daß wir unsern Schatz im Himmel haben. Darum geschieht solches von dem allmächtigen Gott aus Lieb’ und großer Barmherzigkeit, auf daß wir mit der Welt nicht verdammt werden, sondern mit ihm leben und das ewige Reich einnehmen, und mit ihm haben Ruhe und Frieden und unaussprechliche Freud’ in dem zukünftigen Reich und ewigen Leben.
Denn sonst würde uns unser Fleisch beherrschen und überhand nehmen, oder fürbrechen, daß wir sündigen würden. So ist nun der Sünde Sold der ewige Tod, und die da fleischlich sein, mögen Gott nicht gefallen. Denn die Fleischlichen und Sünder werden das Reich Gottes nicht ererben, wie die heilige Schrift sagt. Darum steht geschrieben in den Sprüchen Salomos: Wunden und Schlag’ des ganzen Leibes vertreiben das Böse. Das ist also zu verstehen: Alle Sünd’ und Ungerechtigkeit vertreibt das Kreuz Jesu Christi, welches ist die Ruten des Herrn. Darum seid getrost ihr Lieben und Auserwählten, denn solches ist ein gewisses Zeichen und wahre Kundschaft, daß ihr Gott lieb und angenehm seid, und daß euch Gott geben will das ewige Leben, ewige Ruh’, Fried’ und Freud’ und ewige Herrlichkeit mit allen auserwählten Heiligen und mit allen himmlischen Heerscharen. Darzu helfe euch und uns Gott der Vater durch seinen allerliebsten Sohn Jesum Christum, welchem sei P
reis und
Ehr’, immer und ewiglich. Amen.
O ihr lieben und auserwählten Kinder des lebendigen Gottes, wie gar reichlich und gewaltig und wie gar genugsam hat sich solche Trübsal und Angst eine lange Zeit in meinem Herzen gespiegelt und erzeigt durch Gottes Gnad’ und Geist. Darum habe ich ohne Unterlaß euch Tag und Nacht solches angezeigt, und euch dahin gewiesen und gelehrt, daß ihr eure Herzen dahin richten, bringen und begeben sollt, und euch in die Anfechtung und Trübsal schicken, und wie ihr euch hierinnen allenthalben halten sollt, und wie ihr Gott dem Herrn sollt glauben und vertrauen, und euch nicht sollt lassen abschrecken von Gott und von seiner Wahrheit und von seiner heiligen Gemein, sondern wie ihr sollt beständig sein und bleiben in aller Trübsal bis an euer End’. Denn wer beharret bis ans Ende, der wird selig, spricht der Herr. Und wie ihr ritterlich sollt streiten für die göttliche Wahrheit, so wird Gott der Herr für euch streiten; und wie ihr sollet sein — fromm und gerecht, geduldi
g und
treu Gott und allen seinen Heiligen in allen Dingen.
Ich habe euch genug gesagt und angezeigt, daß ihr das göttliche Wort mit dem allerhöchsten Fleiß sollet hören und fassen und in eure Herzen schreiben; denn es stehe darauf, daß wir nicht allewege bei euch sein und mündlich mit euch reden können, daß uns Gott vielleicht von euch nehmen wird, es sei durch Gefängnis, durch Trübsal oder Tod, oder durch andere Mittel, wie es denn Gott schicket. Auf daß ihr zu der Zeit der Not habt herfürzuziehn, daß ihr im Sommer sollt einsammeln, auf daß ihr zu der winterlichen, kalten Zeit bekleidet und begabet seid und herfür zu nehmen habt aus dem Schatz eures Herzens, was ihr gehört und eingesammelt und von Gott empfangen habt.
Wie lang vorhin und oft hab’ ich euch solches gesagt und angezeigt. Wollte Gott, ihr hättet es reichlich und wohl gefaßet und vernommen. Denn ihr habt das Wort der göttlichen Wahrheit und viel schöne und gewaltige Exempel von vielen Heiligen, was Gott mit ihnen gewirkt und getan hat, genug und viel gehört. Wohl dem, der es recht gehört und in sein Herz geschrieben hat. Ihr habet auch gehört und verstanden, daß euch der Herr lang vor ist gangen durch die Wolken, das ist durch seine Diener und Prediger. Nun aber, es wird auch die Nacht kommen, daß man die Wolken nicht mehr sehen kann oder mag, und daß uns der Her nicht mehr in den Wolken vorangehen wird, sondern in einer Feuersäule wird Gott den Seinigen vorangehen, das ist durch das Licht und den Schein des heiligen Geistes und durch Gottes Wort, welches Wort und Geist ist in allen frommen, christlichen Herzen, die dadurch regieret, gelernt und geführet werden in alle Wahrheit und durch einen wahren christli
chen und
wohlgegründeten Glauben. Das ist die Feuersäul’ in unserm Herzen. Wohl dem, dem das Licht scheinet und leuchtet. Der wird auch bei der Nacht nicht fallen oder zu Schanden werden. Wie die Schrift sagt: Der Gerechte wird seines Glaubens leben und wird nimmer zuschanden werden.
So gedenket nun, liebes Geschwister, daß ihr solches wohl betrachtet und zu Herzen nehmet, ermesset und erwäget, denn die Zeit, und alles, was euch in dem Namen des Herrn verkündigt worden ist, ist schon kommen.
O wohl dem Menschen, der das Wort Gottes gehört und gefasset hat in sein Herz, und dessen Herz voll ist mit Liebe und Glauben, und mit großer Geduld, auch mit Gerechtigkeit und Wahrheit und mit Gottesfurcht und mit seinem Wort und heiligen Geist; der wird in dieser Not und Trübsal wohl beständig bleiben. O gedenket nun, liebes Geschwister, obgleich ich und andere fromme Diener Gottes mit euch mündlich auf dieser Welt nicht mehr reden möchten und euch trösten und stärken mit dem Wort der Wahrheit, daß ihr dennoch beständig bleibet und Gott dem Herrn fest von Herzen glaubet und vertrauet, und fleißet euch seines Willens und haltet seine Gebote. Bekennet den Herrn mit Worten und Werken und mit einem christlichen und heiligen Wandel. Lasset eure Lichter scheinen und leuchten vor den Menschen, und lasset sehen und offenbar werden eure guten Werke, auf daß Gott der Vater durch euch gepreist werde. So wird euch auch Christus der Herr bekennen vor seinem himmlischen V
ater und
vor den heiligen Engeln im Himmel, für seine Söhn’ und Töchter, für seine Brüder und Schwestern und für Miterben seiner Herrlichkeit und für Kinder des lebendigen Gottes.
Liebet Gott und sein heiliges Volk, so werdet ihr auch von Gott dem Herrn geliebet werden. Dienet Gott dem Herrn und seinen Kindlein von eurem ganzen Herzen treulich und fleißig in allen Dingen, so werden euch die Engel im Himmel dienen. Vergesset des Herrn und seines göttlichen Wortes und seines Volkes nimmermehr, so wird euer auch Gott im Himmel nimmermehr vergessen.
Bleibet in Gott und in seinem Wort, auch in seiner Wahrheit und heiligen Gemeinschaft aller seiner Auserwählten und Frommen, so wird Gott der Herr in euch und bei euch bleiben ewiglich und wird euer nicht vergessen. Er wird euch auch nicht verlassen oder versäumen.
Gedenket und betrachtet, was wir euch gelernt haben durch Gottes Gnad’ und Gab’, durch Gottes Wort und seinen heiligen Geist. Demselbigem allem kommet fleißig nach, denn wir haben euch nicht Fabeln oder Märlein oder Menschen Gutdünken vorgehalten und gepredigt, sondern die göttliche und ewige Wahrheit, die nicht vergeht ewiglich, und das Wort der göttlichen Gerechtigkeit, was lauter und klar und wohl gegründet ist vor Gott und allen Heiligen. Ja und Amen.
Und daß wir, die wir die Wahrheit wissen, und gehört und empfangen haben von dem lebendigen Brot, das auch genugsam versiegelt und bezeuget ist mit heiliger Schrift und mit vieler Heiligen Blut, daß wir auch begehren zu bezeugen durch Gottes Hilf’, Gnad’ und Kraft, mit unserm Blut und mit göttlicher Wahrheit. Das ist der rechte Weg und Tür in den Schafstall.
Ja, der rechte und ungefälschte Grund und Glauben, darauf ihn alle Apostel und Propheten gebaut haben, wie wir euch haben vorgehalten und angezeigt. Lasset euch anders nicht raten oder lehren. Denn ein Dieb kommt nicht anders, denn er stehle, raube und umbringe. So sind sie vor Gott alle Dieb’ und Mörder, wie Christus sagt: Und wer euch ein anderes weisen oder lehren will, der sei verflucht und verdammt mit seiner Lehr’. Wie der heilige Paulus sagt: Denn wir haben nicht im Irrtum gelebt und gelehrt, und wanken nicht hin und wieder, wie das Rohr, das vom Winde bewegt wird; und werden nicht bewegt, durch keinerlei Trübsal und Versuchung oder Anfechtung, durch die Hilf’ Gottes.
Und es wird uns kein Mensch, oder Marter und Pein, keine Gewalt, kein Hunger oder Durst, auch keine Trübsal und Verfolgung, oder keine Kreatur, oder alles, was man nennen und sagen kann, nicht irre machen oder scheiden und abwenden von Gott und von seiner göttlichen Wahrheit, darinnen wir wandeln. Und die wir reden und predigen, ist wohl gegründet und versiegelt von Gott und von allen seinen Heiligen, mit Wunder und mit kräftigen Zeichen, wie vor steht, und wir bringen auch nichts neues vor eure Ohren; denn wir sind nicht wankelmütig oder unstet oder leichtfertig, daß wir heute dieses reden und morgen ein anderes, wie die Leichtfertigen und Falschen tun, sondern wir sind steif und unbeweglich in der Wahrheit für und für; es kost’ und gelt’, was es will, und ließ’ es sich ansehen, so grausam wie es wolle. Und das, was wir von Anfang geredet und gepredigt haben, das predigen wir noch ohne allen Verdruß und Scheu. Solches soll euch billig gewißlich kühn mach
en,
tapfer und männlich und wohl versichert im Herzen.
O wollte Gott, ihr frommen und christlichen Herzen, daß ich nur einen einzigen Tag möchte bei euch sein und mein’ Stimm’ gegen euch möcht’ hören lassen, und mich mit euch möcht’ erfreuen, erquicken und ersättigen im Herrn, aber Gott hat es ja also geschicket, das wir mit Schmerzen und großer Geduld wollen tragen und annehmen. Aber seid getrost, ihr Auserwählten des Herrn, die Zeit unserer Erledigung die nahet sich herzu. Hebet auf eure Häupter zu Gott dem Herrn im Himmel und wartet eures Hirten und Königs vom Himmel herab, mit Sanftmütigkeit und großer Geduld in Gerechtigkeit und in Wahrheit, in göttlicher Lieb’ und mit starkem Glauben und Vertrauen, denn er wird bald kommen, der da kommen soll in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit, der König und Trost Israels und wird die Seinigen erretten, erlösen und erledigen, und wird ihnen aufsetzen die herrliche Krön’, die nimmermehr welk wird. Voran aber geht auch Kampf und Steit.
Wer nun
ritterlich kämpfet und streitet und überwindet, und durch Gottes Geist obliegt, der wird gekrönt werden, und wird den Sieg und den Preis erlangen, und einnehmen Fried’ und Freud’, die ewige Ruh’ und Herrlichkeit mit allen Auserwählten und mit allen himmlischen Heerscharen, und wird bei Gott dem Vater und seinem lieben Sohn und bei allen seinen Heiligen sein, und bleiben für und für in dem Bund des ewigen Lebens. Darzu helf’ uns Gott der Vater durch Jesum Christum, welchem sei Preis und Ehr’, immer und ewiglich. Amen.
O ihr lieben und auserwählten Kinder Gottes, ich freu’ und tröst’ mich der Zusage Gottes, die er uns verheißen und versprochen hat, daß wir ihn schauen und ansehen werden in seinem heiligen und wohlgezierten Tempel, daß unsere Not und unsere Schmerzen und Elend einmal schier ein End’ haben wird, daß unser Weinen und Zähren wird aufhören, und daß wir uns untereinander werden anschauen mit unaussprechlicher und großer Freud’, und niemand wird uns mehr scheiden und beleidigen; denn alle Trübsal und alles Leid wird vergehn.
Denn der Vorhang wird hinweggenommen werden durch die Kraft des Herrn. Das ist aller Irdischer und Fleischer Gewalt und Kraft, aber die Frommen werden herrschen und regieren, und ihr Mund voll Lachens sein, wie denn David sagt, und werden sich mit dem Herrn freuen, und ihm miteinander lobsingen immer und ewiglich.
O, Gott gebe, daß wir seine Gnad’ und ewige Vollkommenheit und Barmherzigkeit mögen erwarten, so werden wir alsdann für unser Leid und Elend viel tausendfältige Freude empfangen. Hier in dieser Welt haben wir keine Ruhe und bleibende Statt, sondern Trübsal, Angst und Schmerzen; aber seid getrost, Christus hat die Welt überwunden und wird euch und uns Gnad’ und Kraft und Sieg geben, daß wir sie auch mögen überwinden. Denn um unseretwillen hat er überwunden, auf daß derselbige Sieg auch mitgeteilt würde uns und allen denen, die Gott in der Wahrheit fürchten und lieben, ihm von Herzen glauben und seine Gebote halten. Denn der rechte, wahre, christliche Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet.
O wollte Gott vom Himmel, daß ihr wollt begabt und getröstet werden in aller eurer Trübsal von Gott dem Herrn und himmlischen Vater. O, daß es Gottes Wille wär’ vom Himmel, daß ich bei euch und ihr bei mir sein möchtet. O wie gar herzlich, ja, hoch und fest verlanget mich nach euch, und wollt’ inbrünstig gern bei euch sein, in der größten Trübsal; ia, in großer Marter und Pein wollt’ ich viel tausendmal lieber bei euch sein, denn bei den Gottlosen in ihrer großen Freud’ und Wohlleben. Nun, ich tröst’ mich des Herrn, wo es ja nicht eher geschehen kann und mag, daß wir doch dort in dem zukünftigen und ewigen Leben beieinander sein werden.
O ihr lieben und auserwählten Kinder Gottes, mein’ Herz, Seel’ und Geist sei mit euch allezeit und ihr mit mir und Gott mit uns, und wir alle mit Gott, immer und ewiglich. Damit seid Gott dem Herrn im Himmel gar treu befohlen und dem treuen Erzhirten Jesu Christi, unter seinem gewaltigen Schutz und Schirm; der tröst’ und stärke euch, und speis’ und tränke euch, und versorge euch beides and Leib und Seel’ mit seinen himmlischen und zeitlichen Gütern nach seinem Willen und Wohlgefallen, und nach dem Reichtum seiner großmächtigen Barmherzigkeit, und laß euch ihm in allen Dingen befohlen sein, immer und ewiglich. Amen.
Weiter, ihr geliebten und auserwählten Brüder und Schwestern, ihr meine herzlieben Kinder. Ich laße euch abermals wissen, wie es hier um uns steht, nämlich also, daß wir leben und wandeln in Lieb’ und im Glauben, in Fried’ und in Innigkeit des heiligen Geistes. Wir haben auch große Schmerzen und Trübsal in unseren Herzen eurethalben, und auch sonst große und schwere Verfolgung, äußerlich von den gottlosen Tyrannen. Der grausame und wütende Drache hat seinen Schlund und Rachen weit aufgetan, und will das Weib, das mit der Sonne bekleidet ist, verschlucken, welches ist die Gemein und Braut unseres Herrn Jesu Christi. Man hat uns einen lieben Bruder in Taufers gefangen, wie er von der Gemein hinkommen ist. Bald danach ist der Richter von Brixen hineingeritten und hat zusammen gefordert Weib, Mann und Kinder, und wer nur hat mögen gehn, und hat ihnen ein grausames Mandat verlesen und ihnen verboten, uns zu behausen und zu beherbergen. Wer es aber tut, den wo
lle man
grausam strafen und die Häuser verbrennen. Denn es wollt’ solches aber einreißen und überhand nehmen und sein teuflischer Herr von Brixen der wollt’ solches nicht leiden, sondern kurzum ausreiten. Der war neulich heimkommen und trutzet nun das Volk mit viel, viel Worten, und verbot das Gute und das Rechte und gebot immer das Böse und das Unrechte. Die Frommen aber waren wohl getröst und kehrten sich nicht an sein Trutzen und Drohen, sondern dienten Gott und fleißeten sich seines Willens. Der Richter aber wollt’ noch eine Weil’ verharren und wollte sehen, ob sie sich wollten lassen schrecken und in ihren verfluchten Götzentempel gehen und hat eine Weil’ durch die Finger gesehen, aber die Verräter ließen ihm keine Ruh’ oder Stift. Die lieben Geschwister waren allen Menschen im Tal offenbar und viel andern um und um. Da der Richter sah, daß sein Gebot nichts galt vor den Frommen, machte er sich bald danach auf und fing fünf oder sechs unserer Geschwi
ster und
führte sie gegen Brixen. Die andern aber hat der Herr diesmal verhindert, aber gleich jetztund diese Stund’ ist uns abermals Botschaft kommen von einem gottlosen Mann. Hat aber fünf heraus geführet gegen Brixen, aber wir wissen’s nicht gründlich. Es ist aber wohl zu besorgen, wie man mit ihnen umgeht, und wie es um sie steht hin und wieder. Wo sie gefangen sind, wissen mir dies mal nicht, aber Gott im Himmel weiß es. Ich habe eilends Brüder hingeschickt in Lüfen und allenthalben, die lieben Geschwister zu besuchen und zu sehen, wie es steht in allen Dingen, aber sie sind noch nicht wiederkommen, daß ich nicht weiß, wie es gründlich und allenthalben steht. Das aber ist genugsam zu gedenken und zu wissen, daß sie alle verjagt sein und vertrieben und allenthalben steht in großer Gefährlichkeit.
Wir haben aber von den Gefangenen und andern allenthalben noch nichts anderes gehört, denn als Redlichkeit und Frömmigkeit, und Gott tröst’ und stärke sie vom Himmel herab mit seinem Wort und mit seinem heiligen Geist und erhalt’ sie in seinem Namen und in seiner heiligen und göttlichen Wahrheit bis an ihr End’, und steh’ ihnen bei durch Jesum Christum, und tu ihnen Hilf’ und Beistand durch seine große Barmherzigkeit. Amen.
Was aber mehr zu sagen ist und wie es allenthalben hier steht wird euch der liebe Bruder Jeronimi wohl mündlich anzeigen und sagen, denn er weiß alle Ding’, soviel ich jetztund weiß, was euch in diesem zu sagen und anzuzeigen ist. Der wird unser lebendiger Brief sein. Den mögt ihr fragen und hören, in Summa, wir warten alle des Herrn mit großer Geduld.
Zum letzten und zum Beschluß bitten wir euch um der Barmherzigkeit Gottes willen, daß ihr Gott mit Fleiß und Ernst wollet ohne Unterlaß für uns bitten, wie wir’s für euch auch tun. Wiewohl wir wissen, daß ihr solches tut, aber werdet nicht hinlässig, sondern völliger und je länger, je mehr fleißiger, denn es tut vonnöten. Ich weiß aber, daß Gott den Seinigen wird ein Auskommen machen nach seiner Verheißung und nach seiner großen Barmherzigkeit. Gott sei mit uns und mit euch und tröste alle betrübten, frommen und christlichen Herzen mit dem Trost seines heiligen Geistes, durch Jesum Christum, hier und dort, immer und ewiglich. Amen.
Alle Kinder Gottes hier bei uns, die heilige christliche Gemein, lassen euch alle von ganzem Abgrund ihres Herzens hoch und fast und gar treulich grüßen, in Gottes Lieb’ und Freud’, mit dem Kuß unseres lieben Herrn Jesu Christi, ein jedlicher gar in Sonderheit, zu viel tausendmal.
Und ich, Jacob, euer Diener und euer Knecht, euer Bruder und Mitgenosse in der Trübsal Jesu Christi grüß’ euch alle miteinander ein jedliches in Sonderheit, alle frommen und christlichen Diener mitsamt allen Heiligen zu viel tausendmal in göttlicher, inbrünstiger und brüderlicher Lieb’ mit friedlichem Herzen und mit dem Kuß unseres Herrn Jesu Christi. Gott vom Himmel, der Vater aller Gnaden und Barmherzigkeit, der grüß’ euch und tröst’ euch und segne euch vom Himmel herab mit seinem gnadenreichen heiligen Geist, durch Jesum Christum, immer und ewiglich. Amen.
Ihr Lieben und Auserwählten in dem Herrn, unser Leib, Seel’ und Geist ist alles des Herrn. Gott erhalte uns in seiner Lieb’ und in dem Bund seines Friedens, ewiglich. Amen.
(Gesendet aus der Grafschaft Tirol durch den Bruder Jeronime, im Jahre 1536) |