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Ein Sendbrief von Jacob Hutter geschrieben anstatt der ganzen Gemein und Bruderschaft, an die Herren des Landes zu Mähren gesandt, und das im 1535 Jahr.

Wir Brüder und wahre Nachfolger unseres Herrn Jesu Christi, die wir aus großer Gnad’ und Barmherzigkeit des Allmächtigen von vielen oder mancherlei Orten deutscher Nation berufen und angenommen sind zu dem Licht göttlicher Erkenntnis, das dieser Zeit aufgangen und allen Menschen erschienen ist, auf daß wir nach abgelegter sündiger Art hinfür in rechtschaffener und wahrer Gerechtigkeit, die vor ihm gilt, unser Leben lang dienen sollten.  Von ihm gezogen und hierher gebracht, jetzt in seinem Namen versammelt, wünschen euch auch, wie uns von Gott geschehen und widerfahren ist: wahre Erkenntnis Gottes und seiner ewigen Gerechtigkeit und Wahrheit durch Jesum Christum.

Liebe Herren des Landes zu Mähren, euch ist zum Teil gut wissen, wie wir aus mancherlei Orten und Landen hierher in dieses Land zu Mähren kommen sind.  Aus keiner andern Ursach’, denn daß wir nach erkannter Wahrheit Gott fröhlich begehren zu dienen, welches uns sonst in vielen Landen nicht hat wollen gedeihen um der grausamen Tyrannei willen der Obrigkeit derselbigen Orte, die uns das Unsere mit Gewalt genommen, und uns von unsern Hab’ und Gütern gestoßen und viele der Unsrigen in langwieriger Gefangenschaft behalten, und das noch mehr ist, ein gut Teil gar erwürget haben.

Weil aber Gott der Herr aus seiner Gnade seinem Volk, sonderlich der Ort von Langen her, Platz vergönnt hat, daß sie sich versammeln, ihm dienen und sich im Glauben mehren sollten, haben wir auch solches von Gott unserm Herrn mit großem Dank angenommen, und uns alle, deren Herz Gott gerühret und mit seinem Wort getroffen hat, versammelt und gänzlich bei uns fürgenommen, daß wir durch seine Gnade jetzt ihm dienen und unsträflich mit gutem Gewissen vor ihm wandeln wollten und durch unsern Fleiß seine Ehr’ auskündigen.  Wieviel wir uns des beflissen haben und noch fleißen.  Dennoch ist von den Leichtfertigen viel böses Geschrei, sonderlich von denen, die aus unserer Mitte ausgingen und die Wahrheit verlaffen und sich wieder mit der Welt befreundet haben.  Und auch, als wir berichtet werden, solcher Klag’ viel an euch gelanget hat, oder für euch kommen ist.  Wiewohl wir uns darin allerdings unschuldig wissen, dieweil aber viel aus euch, oder der mehrer Teil um un
  ser Tun
wenig Wissen haben, oder ob sie es auch zum Teil wohl wissen; weil aber so viel Klagen über uns allenthalben geschehen, und durch dasselbige unbillig Geschrei der Boshaftigen und Aufsäßigen, die der Wahrheit, von der sie sich gewendet haben, jetztund zuwider und von Herzen feind sein, jetzt fast das ganze Land erfüllet ist, daß sie an uns wieder irr’ werden und in einen Zweifel kommen.  Es muß doch etwas zum Teil daran sein, und ob es gleich nicht alles war, würden wir bewegt, euch unseres Tuns, Lehr’ und Lebens Urkund’ und Rechenschaft zu geben, wie wir uns denn euer und aller Menschen Schuldner achten, sonderlich etlicher Urteil halber, als nämlich der Versammlung, Obrigkeit und Steuer, welche wir bericht, daß sie euch sonderlich sollen angelegen sein.

Erstlich, das Fundament oder Grund unseres Glaubens.  Wir glauben an den einigen, ewigen lebendmachenden Gott, der Himmel und Erde, das Meer und alles, was darinnen ist, erschaffen hat, alles auch erhaltet und alles durch ihn auch enden wird.  Der aller Menschenherzen gewaltig ist und ein Anrichter darinnen seiner Gerechtigkeit, und dem glauben wir.  Der hat uns auch durch’s Wort seiner Wahrheit widergeboren und zu seiner Art Kinder gemacht, und das durch Jesum Christum.  Denn wir glauben mit Gott dem Vater eins im Wesen und von ihm in der Kraft ausgangen sein, und in Maria der Jungfrau nermenscht, einen wahren Menschen aus dieser Welt geboren sein, die Sünder, die sich zu Gott bekehren, selig zu machen und sie mit seinem Vater zu versöhnen; der auch, nachdem er durch seinen Tod die Gewalt bekommen hatte, denn der des Todes gewaltig ist, ist wieder gegen Himmel zu der Gerechten des Vaters aufgestiegen uns zu vertreten, und hat ausgossen die Verheißung des Vaters, nämlic
  h seinen
Geist auf uns, seine Gläubigen.  Welcher Geist, wir glauben, von dem Vater und Sohn ausgangen und mit dem Vater und Sohn in der Kraft und im Wesen eins in Gott sein, der heute noch die Kirchen Christi oder seine Gemein versammelt und in einem Sinn und Meinung einführet, und macht das Wort der Wahrheit in ihnen lebendig.  Gott in ihren Herzen zu dienen, auf daß dieselbigen, nachdem sie ihren Lauf vor Gott treulich vollendet haben, nach dieser Zeit im ewigen Leben in Frieden sich mit ihm freuen mögen.

Folget nun der Obrigkeit halben und ihres Gehorsams, denn wir hier zu Lande pflichtig und schuldig sein, wie weit sich der erstrecke und wir ihn vor Gott billig sein erkennen, und sagen zum ersten: Daß ja in der Welt Obrigkeit sein muß, denn sie ist auch von Gott verordnet zur Rach’ den Übeltätern und zum Lob den Wohltätern.  Derohalbm nun so jemandes sich der Obrigkeit in billigen Sachen widersetzet, oder fürgeben wollt’, daß die nicht sein sollt’, der widersetzet sich der Ordnung Gottes.  Darum auch wir so billig in allem vor Got erkennen, uns des Gehorsams gegen ihr befleißen, als in Zins und andern ihren verordneten Sachen.  Was sie sich aber unterstehen, das Gewissen anzugreifen, darüber sind sie nicht von Gott als Herren gesetzt, und ist ihnen nicht befohlen, zu herrschen.  Da sagen wir mit Petri, daß man Gott mehr gehorchen soll, denn den Menschen, wie auch viele aus euch zwar selbst wissen, und anfangs, da wir in das Land kommen sein, ihn derart auch b
  ewiesen
haben.  Die ihn gefürchtet hatten, vor Gott uns etwas dem Gewissen zuwider anzumuten, doch aber zuletzt durch die abtünnigen und falschen Brüder, die lieber den Frieden und Gunst bei den Menschen denn bei Gott haben, und nachdem ihre Herzen an Gott nicht gehalten, sich mit Schmeichelworten an die Obrigkeit gehängt und ihnen gesagt haben, was sie gerne wollten, und verheißen, man möge dieses und jenes tun (als Kriegssteuer geben, daß sie aber vor Gott weder Fug noch Recht nie gehabt haben).  Damit sie die Frommen gegen die Obrigkeit verleumden, und ihnen das Kreuz auf den Hals luden (das sie aber von sich geworfen haben), und das alles darum, daß sie die Frommen vertrieben hätten, sie ihrer Torheit halber ungestraft blieben, oder dieselbige nicht an den Tag käme.

Wie auch vor Zeiten die Abtrünnigen aus Israel (die allezeit den Frommen die große Trübsal antaten und die Obrigkeit wider sie verhetzten, daß sie nur keinen Platz im Lande hätten und aufkommen möchten) getan haben.

Wie man durch uns darum die Bücher der Machabäer sehen mag, wie daselbst der gottlose Jasan und viel andere böse Abtrünnige getan haben, und die Obrigkeit der Heiden, die vorhin den Frommen nicht geneigt, sondern verhetzt, sie am Herrn zu vergreifen, da auch alle, die den selbigen gefolgt haben und die Frommen angriffen, sich versündigt und ihr Urteil selbst über sich haben eingeführt.  Wie man auch an Antiochie, den man den Edlen nennt, gar ein erschreckliches Vorbild hat; nicht, aber allein an Antiochia, sondern an vielen andern Königen und Hanptleuten mehr.  Als Senacharib, der durch Gottes Anschikkung von seinen eigenen Söhnen im Haus seines Gottes Nistrach erwürget war, desgleichen Haman in seinem Anschlag selbst erhangen, Sissara Nicanor, und viel andere in ihren bösen Fürnehmen erschlagen und umkommen sein.  Damit Gott bewiesen hat, daß er seines Volkes Schirmer ist, und deren keinen, die sein Volk beleidigen, ungestraft läßt.

Darum, alle Menschen zu warnen, sagt Gottes Geist: Greifet meine Gesalbten nicht an und handelt meine Propheten und Diener nicht übel, denn wer euch (spricht der Herr zu seinem Volk) beleidigt, der greift mir in meinen Augapfel.

Der Steuer halben aber, die man auch dem Gehorsam der Obrigkeit zuschreibt, sagen wir also, daß ja nie kein Amt geordnet sei, es sei gleich unter den Frommen und Unfrommen, dieweil Gott ein Aufseher der Menschen ist, damit zu Unterhaltung seines Dienstes und Amtes gebührende Hilf’, oder wie man pflegt zu sagen, Steuern von den Untertanen, oder denen, so sollte gedienet werden, zu geben befohlen hat.  Darum auch geordnet einer jeden Obrigkeit, jährliche Steuer, oder Zins oder Rent, daß sie ihr Amt führen, mag zugeben und fagen, nun daß sich jemandes desselbigen widerern würde, der würde erfunden, als der sich der Gottes Ordnung widerlegte.  Darum auch wir (als die Obrigkeit, unter der wir uns aufgehalten, oder gewohnt haben) selbst wohl weiß und Zeugnis geben müssen, uns gegen gebührende, das ist der jährlichen Steuer oder Zinsgeld, Rent’, Zoll und Rabat, nie gewidert haben, sondern uns als gehorsame Untertanen aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen bew
  iesen.

Wo man aber aus dieser Ordnung schreiten und etwas weiteres, was wider Gott, oder von Gott nicht geordnet, und jährlichem Zugeben ist, ansuchen wollt, als Steuer im Krieg und Henkersgeld, ober andere Sachen, die einem Christen nicht gebühren, und in der Schrift keinen Grund haben, sondern viel mehr Gott und der Art seines Sohnes zuwider ist, der nicht kommen ist, der Menschen Seelen zu verderben, sondern selig zu machen, und nicht Übel mit Übel will vergelten, nicht Streich um Streich zu geben, sondern vielmehr das Übel mit Gutem bezahlen, den Feinden mit wohlzutun und darinnen die Art Gottes unseres Vaters im Himmel zu beweisen, mögen wir keineswegs bewilligen.

Dieweil der Hehler nicht minder gestraft wird denn der Stehler, und wie am Tag und offenbar ist, daß der, so Geld im Krieg gibt, die Krieger zu besolden, nicht minder, denn der so im Krieg totschlägt, schuldig ist.  Derohalben wir ja nicht einigerweis’ viel oder wenig uns als die Sich selbst zurechnen begehren, oder menschlichen Schutz suchen, beweisen wollen.  Ja, alle Dinge vor Gott nicht durstig, oder so kühn sein, solches zu tun, sondern ihm in allen Dingen nach seinem Wort die Räch’ geben, der uns auch wohl von allen unsern Feinden zu seiner Zeit erretten kann, daß wir aber in dem allem von vielen dem Münsterischen verglichen und ihrer Art beschälten werden, loben wir Gott im Himmel, daß uns solches nicht zu Sinnen kommen ist und danken seinem Sohn, der gesagt hat: Selig seid ihr, wenn die Menschen allerlei Arges von euch sagen.  So sie daran liegen, so habet Wonn’ und Freud; denn es wird euch im Himmel wohl belohnt werden.  Darzu ist auch allen Menschen, d
  ie uns
kennen, wissentlich und offenbar, daß wir die Münsterische Art aufs höchste hassen und vor allen Menschen bezeugen mit Offenheit, daß es ein Werk vom Teufel und nicht aus Gott sei, denn der Teufel allezeit ein Fürst des Zankes und des Krieges gewesen ist und allezeit bleibt; daß aber viele mit den Worten Krieg zu vertätigen sich hören lassen, daß damit und viele Heiligen gestritten und Krieg geführet haben, geben wir mit kurzem die Antwort: Daß zu derselbigen Zeit das neue Reich, das in Christo ist angangen, noch nicht offenbar war, in welchem Reich das Zepter und die Kriegswaffen geistlich sein und nicht mit Eisenwaffen, die jetzt alle zu Rebmessern und Sicheln zu verschmieden von Gott befohlen sein. . . .  Christus sagt: Den Alten ist gesagt, Kopf um Kopf, Aug’ um Aug’, Hand um Hand: Ich aber sage euch nich also.  Und weiter ist auch gesagt: Du sollst deinen Freund lieben und deinen Feind hassen.  Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, tut wohl unsern Übelt
  ätern
und bittet für eure Verfolger.  Sagt aber nicht: Ziehet wider sie mit Wehr’ und Waffen.  Darum wir auch das zu tun keineswegs gesinnet sind, auf daß wir unseres Vaters im Himmel Kinder sein.

Wie uns aber Übel mit Übel zu vergelten verboten ist, auch wider unsern Feind zu streiten, also auch die Steuer im Krieg, oder Geld, darzugeben.  Dieweil eines nicht minder denn das andere vor Gott unrecht ist, darum widern wir uns aus keinem Frevel, sondern bloß aus wahrer Gottesfurcht, daß unsere Herzen mit keinem Unrechten behaftet werden, und wollen ja jetzt lieber sterben, denn daß einem aus unsern höchsten Feinden durch uns ein Übel sollt zugefügt werden.

Das ist mit kurzen Worten die Ursach’, die Steuer im Krieg, die Menschen zu verderben, nicht zu geben.

Ferner auch der Gemeinschaft halber, oder unserer Versammlung, darum man, wie wir vernommen haben, uns nicht dulden will und dem König und seinen Regenten zuwider ist.  Vielleicht zu einem Teil, wie man uns täglich fürhält, daß so nun unser viel beisammen wären, nicht etwa wie die Münsterischen handelten, daß aber, wie oben gesagt, wir nie im Sinn gehabt, und auch verhoffen solches in Ewigkeit.

Zum andern Teil ist das die Ursach’ und die allermeiste, wie wir bei uns selber fühlen, und aus der Weissagung Christi erlernen mögen, daß wir in der Wahrheit wandeln.  Die Welt aber, die selbiges nicht hat aufnehmen wollen, sondern die Finsternis allewege mehr denn das Licht geliebet hat.  Darum es uns auch nicht ein Fremdes ist, ob uns gleich ein solches zu handen stoßt, daß wir um solcher Tat, Lieb’, Wahrheit, Einigkeit willen verhaftet werden.  Denn Christus spricht: Wäret ihr von der Welt, so hatt sie euch lieb; nun ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch von der Welt erwählet habe, so haßet sie euch.

Wir aber wissen nichts destoweniger, daß dies, unser Fürnehmen, Versammlung und beieinander wohnen, aus Gott ist, denn wir’s selber aus uns nicht gedacht, wo er’s nicht selber in uns angericht’ und durch seinen Geist gepflanzet hat, damit er sich selbst bezeuget und der Welt offenbar machet, damit sie sein Werk und seinen wohlgefälligen Willen erlernen möchten.

Derohalben auch wir, da Gott der Herr uns solches geheißen, das ist, durch seinen Geist in uns erreget oder angerichtet hat, haben wir nicht billig geachtet, so Gott einmal was heißt, das man erst fragen sollte, ob es recht sei, sondern sind hingangen und haben uns seinem Werk und Willen gänzlich ergeben, auf daß seine Wahrheit in uns Statt hätte; der uns nach solchem Ergeben auch wie den ersten Kirchen einen Sinn, Herz und Mund nach Jesu Christi geben hat, und zusammen geführet mit einer Meinung und einem Herzen, ihm zu dienen und zu bezeugen, daß Gott in ihm selbst einig und ungeteilt ist.  Hat darum sein Volk, dieweil die Welt um ihres verfinsterten Gemütes willen Gott m seiner Art und Weise nicht erlernen kann, jetzt also zu sagen geführet und ihnen wider alle Vernunft, weltliche Geschwindigkeit und alles menschliche Fürnehmen einen solchen Sinn geben, daß keiner ihm selbst mehr begehrt zu leben, noch das Seine zu suchen, sondern je einer dem andern, und jetzt
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mehr viel, sondern einer sein in Christo.  Damit in uns Menschen, die wir wider die Natur das Göttliche beweisen in der Tat erkannt werden von der Welt: Die Einigkeit des Vaters mit dem Sohn und heiligen Geist, nämlich, das, wie wir im Sohn und im Vater eines sein.

Darum, weil wir Zeugen des Herrn an das Volk sein sollten, so drängt uns die Anmutung, sollte schreiben — die göttliche Anmutung — dahin zu solcher Beweisung, und das mit Freuden.  Daraus dann allen Gottseligen eine gewisse Sicherheit überkommen ist, daß solche Beweisung Gottes ewiger Wille an sein Volk ist.  Weil die Welt aber die innerliche Wirkung Gottes nicht vernehmen kann, so stellt auch Gott der Her äußerliche Bezeugung der Schrift, und befehligt mit Ernst und spricht: Versammelt mir meine Heiligen, die den Bund mehr denn Opfer achten.  Darum sagt David: Ich bin in der Gemeinschaft aller deren, die dich fürchten, und halten, was du befohlen hast.  Jesaja aber nach ihm bezeugt und spricht: Es wird aber aller Erwerb und Gewinn dem Herrn geheiligt, denn da werden sie nichts hinter sich legen und wird aller Gewerb Tyrus der Bürger des Herrn sein, zur Nahrung und Aufenthaltung der Hungrigen und zur Bekleidung der Alten.

Auf diese Weis’ hat er sich auch in der Gemein und Kirchen Christi erzeigt, und hat sich solche Weis oder göttliche Wirkung je und je in allen Heiligen gepfleget.  Und sind aus göttlicher Anregung bewegt worden, sich zu versammeln und zusammen zu verfügen, damit ja eines dem andern durch die Gnade, die ihm geben ist, dienen möchte zu der Besserung, daß nicht allein dasselbige, sondern auch durch das Wort der Wahrheit möchten auferzogen und an den Herrn gewiesen werden.  Darum auch zu aller Zeit die Frommen nach folchem Verlangen haben.  Wie auch geschrieben steht: Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zabaoth.  Mein Soll verlanget und ist zunichte worden nach dem Verlangen des Herrn.  Mein Herz und Leib freuet sich in dem lebendigen Gott: Wohl denen, die in deinem Hause sind, die loben dich immerdar, denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser, denn tausend sonst.

Ich will lieber der Türhüter in meines Gottes Haus sein, denn lang wohnen in der Gottlosen Hütten.  Und weiter: Ich freu’ mich, daß es gesagt ist, daß wir werden ins Haus Gottes geh’nicht, daß unsere Füß’ werden stehn in deinen Toren, Jerusalem.  Jerusalem, die gebauet ist wie eine Stadt, die sich mit einander zusammenhält; und abermal — deine Güte ist vor meinen Augen, ich will wandeln in deiner Wahrheit.  Ich wohne nicht bei eiteln Leuten, ich habe nicht Gemeinschaft mit dem Tückischen, ich hasse die Gemeinschaft der Boshaften, ich will nicht bei den Gottlosen sitzen, sondern will meine Hand’ mit Unschuld waschen und will Herr, um deinen Altar sein, daß ich hör’ die Stimme des Dankens; da erzählt werden alle deine Wunder, denn, Herr, ich lieb’ die Statt deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnet, und abermals — ihre Grundfeste ist auf den heiligen Bergen.

Der Herr lobet die Tore Zions über alle Wohnungen Jacobs, herrliche Dinge werden in dir gesagt, du Stadt Gottes, und derohalben werden alle frommen Herzen bewegt zu eilen an den Ort, da die Versammlung der Auserwählten ist, da solche Gottes Ehre verkündigt und bewiesen wird in der Kraft.  Wie auch der weise Mann bezeuget, da er spricht: Ein jedliches Fleisch geselle sich gern zu seinesgleichen, und der Mensch zu denen, die ihm füglich sind; und übermal —ein jedlicher Vogel setze sich gern zu seinesgleichen, also kehret sich die Wahrheit zu denen, die mit ihr handeln.  Weil dem nun also ist und viele durch oie Wahrheit bewegt werden, sich ihr zu ergeben, ja, alle, die zur Seligkeit geordnet sein, die Gott täglich herzutut, so vermischen sich auch viel leichtfertige Seelen darunter, wie Judas unter die Apostel, der zuletzt seinen eigenen Meister verkennt und um Geld’s willen übergab.  Also auch diese Leute, die von zerstörten Sinnen sein, nachdem sie sich in einem f
  alfchen
Schein herbeigemacht und der Wahrheit übergeben haben, lästern sie unverschämt.  Daß sie noch nicht erkannt haben, darinnen verderben sie sich selber, und geben viel und mancherlei Unwahrheit aus, das sich keineswegs in Ewigkeit erfinden wird; tun wie ein hurisch Weib, das von ihrem Mann hinläuft, und so sie an ihm zur Bübin worden ist, sie alles Übels von ihm ausgibt, als der ihr solches zu tun Ursach’ geben habe, so ihr doch der Mann alles Gutes bewiesen hat, und sie werden billig geehret.

Also tun auch unverschämten Leut’, die, nachdem sie die Wahrheit übergeben haben, sich keiner Unwahrheit schämen, und sagen, man hab’ sie um das Ähre gebracht.  So doch die meisten, die solches tun, etwa um nichts gebracht, oder gehabt haben.  Ja, mit so viel Zährung, wo man ihnen Mithilfe getan hat, daß sie herein in dies Land hatten ziehen mögen, und dennoch von großem Gut, das sie gehabt haben, sagen dürfen, und ob ihrer etliche wären, die etwas gehabt hätten, so haben sie doch dasselbige freiwillig (wie sie fürgeben und sich gegen uns entboten haben), dasselbige freiwillig von ihnen zur Unterhaltung der Witwen und Waisen und aller Notdürftigen gegeben, und haben, nachdem ihnen die Wahrheit genugsam etliche Tage entdeckt ist, dazu alle unsere Ordnung und ganzes Lebens, ihrer viele, da man sie hat ausziehen und nicht bald taufen und annehmen wollen, mit Weinen gebeten, daß man sie in unserer Versammlung in Christo aufnehmen wolle.  Und wollten sie fürhin
  nicht
sich selbst, sondern dem Herrn und seinem Volk leben; nicht ihrer selbst, sondern der ganzen Gemein Nutzen suchen, und das Ihrige alles zur Unterhaltung der Armen und Notdürftigen darreichen, die wir zuletzt noch viel nach ihrem Begehren aufgenommen haben, daß sie nicht allein ihr Hab und Gut, sondern auch ihr Leben der ganzen Gemein zu dienen, gegeben haben.  Darum auch wir nach demselbigen ihrem Anhalten und Begehren, was sie gehabt haben, zu Handen genommen und nun nicht alles mit ihrem, sondern der Gemein Gut gehandelt, dieweil unter uns niemand nichts eigenes hat, und haben das gebraucht zur Unterhaltung der Kranken, Alten, aller Kinder und Notdürftigen.  Weil damals jemand etwas gehabt hat, solches von ihm also geben hat.  So achten wir, daß ihr selber erkennen werdet, daß man solches beides, vor Gott und den Menschen, nicht schuldig ist, wiederzugeben, dieweil er auch nichts eigenes gehabt hat und uns nichts geliehen, oder zu behalten geben hat.

Ist derhalben unser Begehren und Bitt’ an euch, und das um eurer selbst willen, daß ihr euch nicht vergreift und eine Sach’ unerkannt tadelt, daß so solche und andere derogleichen Klagen, als die wir billig sollten mit ihnen gehandelt haben, für euch kommen.  Daß ihr ihnen nicht bald auf ihre Klag’ zufallen, sondern auch unsere Verantwortung daraufhören wolltet, wie auch das Gesetz befehligt.  So hoffen wir, daß ihr alle Tage von uns einen guten Bericht und daß wir nach der Billigkeit mit einem jeden handeln empfangen werdet, und erkennen, daß alle diese Klagen über uns mehr aus Neid und Aufsatz, denn billig geschehen.

Desselbigen gleichen auch der Stadt halber, wie wir hören, daß sich über uns beschweren und Klag’ einführen, als ob wir den Handwerkern das Brot vor dem Maul abschneiden.  Denn das wir uns in aller treuer Arbeit fleißen, einem jeden seinen Pfenning zu vergleichen oder vergelten, welche unser treu, ist nun fast unter alles Volk kommen, Gott allein sei die Ehr, daß uns das Volk zuläuft, als daß nun weis’ mit unserer Arbeit versehen sein.  So sich nun jemandes unbillig beschwert, können wir darum unsere Arbeit nicht verringern, sondern begehren mit Treuen zu handeln und jedermann unbeschwerlich aus unserm Garten und treuen Arbeit zu nähren, als die wir nicht allein den Menschen, sondern Gott im Himmel darin behehren zu gefallen.

Also haben wir mit Kürze Anzeige getan, und um etwa bei 2000 ungefähr sind, und dochwohl an etwa zwanzig Orten Wohnung haben, und ja an einem Ort mehr, am andern weniger Häuser haben, nachdem der Ort zur Arbeit gelegen ist und wir uns unterhalten können.  Zu Schäckowitz aber, das sonderlich in Geschrei ist, sind wohl unserer etliche.  Wiewohl da viele Kinder und Kranke sind, die wenig, oder nicht viel ausrichten können.  Nun aber schreiben wir solches nicht darum, daß wir uns der Unsrigen schämten und die nicht bekennen, sondern wollten viel lieber, daß unser noch viel tausendmal mehr wären, die mit uns nichts anderes suchten, als Gott allein zu dienen.

Aber um der Unbilligkeit willen, daß man soviel sagt, und aber wenig ist, werden wir bewegt, die Wahrheit darinnen anzuzeigen und zu entdecken.  Das haben wir also billig bei uns beachtet, euch zu eröffnen und mit kurzem Bericht aller dieser Dinge zu geben, und wollen uns damit in den Schutz und Schirm des allmächtigen, unseres Vaters, befehlen, und damit euch und alle Menschen genannt haben, daß keiner durch Anlegen seiner Hände an die Frommen ihm selbst das Urteil Gottes sammle und auf sich selbst häuf’.  Denn es je und je gewesen ist, daß je mehr die Völker tyrannisiert haben, ihr’ Straf’ gemahnet hat.  Wiederum auch, wo Mitleiden mit dem Volk Gottes getragen wurde, da hat Gott derselbigen Orten um seines Volkes willen verschont, wie auch lange Zeit her diesem Land geschehen ist.  Wie dann Gottes Straf’, nämlich der Türke, um und um gewesen ist, Österreich durchstreift, aber doch in dieses Land nicht kommen ist, und das aber nicht darum, daß dies Land h
  atte
widerstehen mögen, sondern allein, daß Gott seines Volkes darin verschonet und um desselbigen willen das Land errettet hat, wie auch zwar allein um des frommen Lots willen, da er Sodom mit den umliegenden Gegenden mit Schwefel und Feuer verderbet hat.

Darum ist am Tag, wie oben angezeigt, so ihr jetztund an die Friedsamen des Herrn Hand anlegen und sie zerstören sollet, daß Gott euer auch nicht verschonen wird.  Darum nehmt euer selbst wahr, daß keiner mehr auf sich lade, denn daß er vor zu tragen habe.  Das wollen wir euch zugute nicht verhalten.  Amen.

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